E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 18°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Versuchte Strafvereitlung: Polizist wollte Blutprobe beim Kollegen verhindern

Von Er wollte seinem Kollegen auf etwas plumpe Weise beistehen – jetzt ist ihm diese Hilfeleistung teuer zu stehen gekommen. Wegen versuchter Strafvereitlung wurde ein 57 Jahre alter Kriminalhauptkommissar gestern vom Frankfurter Amtsgericht zu 8100 Euro Geldstrafe verurteilt.
Auch für Polizisten gelten die gleichen Gesetze: Wer bei einer Alkoholkontrolle erwischt wird, muss büßen. Da hilft es auch nicht, wenn Kollegen am Tag danach intervenieren. Foto: Juergen Mahnke Auch für Polizisten gelten die gleichen Gesetze: Wer bei einer Alkoholkontrolle erwischt wird, muss büßen. Da hilft es auch nicht, wenn Kollegen am Tag danach intervenieren.
Karben. 

Hätte der Beamte den gegen ihn verhängten Strafbefehl akzeptiert, wäre er viel preiswerter aus jener ungewöhnlichen Affäre herausgekommen, die ihren Anfang bei einer feuchtfröhlichen Weihnachtsfeier im Dezember 2016 in einer Frankfurter Innenstadt-Kneipe genommen hatte. Dort hatte man im Kollegenkreis kräftig dem Alkohol zugesprochen. Während der jetzige Angeklagte eigentlich genau das Richtige tat und in einem Nebenzimmer des Polizeireviers auf der Zeil übernachtete, setzte sich der 31 Jahre alte Kollege ans Steuer und versuchte, nach Klein-Karben zu kommen, wo er eine kleine Wohnung besaß. Zwischendurch aber geriet er in eine Verkehrskontrolle und musste ins Röhrchen blasen: 1,5 Promille Alkohol im Blut, was normalerweise den Verlust des Führerscheins und wohl auch disziplinarische Konsequenzen zur Folge gehabt hätte. In seiner Not rief der angetrunkene Beamte seinen Kollegen an und schilderte sein Dilemma. Nun wurde der Vorgesetzte aktiv. Noch am frühen Morgen um vier klingelte auf dem Revier in Bad Vilbel das Telefon. Der Hauptkommissar ließ die diensthabende Kollegin in direktem Tonfall wissen, dass er bei dem Kollegen keine Blutentnahme wünsche. Dies hätte das Ende des Ermittlungsverfahrens gegen den 31-Jährigen bedeutet.

Strafverfahren

Die Beamtin empfand diese Aufforderung allerdings als recht unstatthaft und löste damit ein Strafverfahren gegen den Hauptkommissar aus. Er habe versucht, die zweifellos vorliegende Verfehlung des Kollegen unter den Tisch zu kehren. Schon im Dezember bestritt der Verteidiger des Mannes den Vorwurf. Sein Mandant habe nur aus reiner Fürsorge bei der Kollegin angerufen – deshalb könne er auch den gegen ihn ergangenen Strafbefehl nicht akzeptieren. Der Beamte war gar nicht persönlich vor Gericht anwesend, er befand sich im Urlaub. Aber auch die Belastungszeugin aus dem Revier blieb dem Termin fern. Sie wurde zunächst mit einem Ordnungsgeld belegt. Gestern nun war „volles Haus“ vor dem Amtsgericht.

Aussage gegen Aussage

Der Angeklagte war nun persönlich gekommen und bestritt nochmals die Anklagevorwürfe. Seine Kollegin aber blieb bei ihrer Auffassung, so dass das Gericht trotz der Konstellation „Aussage gegen Aussage“ auf eine Verurteilung votierte. Und weil die Höhe des Strafbefehls von der Richterin als zu niedrig angesehen wurde, kamen diesmal 90 Tagessätze zu je 90 Euro heraus. Während der Verteidiger Freispruch beantragte, wäre es nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für den Beamten noch teurer geworden: Der Anklagevertreter plädierte auf eine Geldstrafe von 15 000 Euro – 150 Tagessätze zu je 100 Euro. Möglicherweise war es aber ohnehin nicht der letzte Prozess – Verteidiger Joachim Bremer will mit seinem Mandanten die Möglichkeit einer Berufung beim Landgericht überlegen.

Zur Startseite Mehr aus Wetterau/Main-Kinzig

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen