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Bad Vilbeler Burgfestspiele: Rekord: Evita wird zum ewigen Renner

Von Vorstellungskraft ist im Theater gefragt: Denn bei jedem Zuschauer entsteht aufgrund der limitierten Möglichkeiten einer Bühnenkulisse Kopfkino. In Bad Vilbel ist dieser Denksport gefragt. So sehr, dass die Organisatoren der Burgfestspiele schon wieder einen Besucherrekord vermelden können.
Fantasie ist im Theaterkeller gefragt: Andrej Tschichatschow (Carlos Praetorius) und Maik Klingenberg (Sam Michelson) in „Tschick“. Bilder > Foto: Christine Fauerbach Fantasie ist im Theaterkeller gefragt: Andrej Tschichatschow (Carlos Praetorius) und Maik Klingenberg (Sam Michelson) in „Tschick“.
Bad Vilbel. 

Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) ist es fast schon ein „bisschen unheimlich“. Jedes Jahr einen Besucherrekord für die Burgfestspiele zu vermelden, könne man ja nicht für alle Ewigkeiten erwarten. Doch Gründe dafür kann man wohl schon schaffen. „Wir arbeiten jedes Jahr daran, noch ein Stück besser zu werden“, erläutert dann auch Intendant Claus-Günther Kunzmann bei der Abschlussbilanz, einen Tag nachdem der letzte Vorhang für diese Saison gefallen ist.

Ehrengäste im Spalier: Volker Bouffier begrüßt die Wetterauer CDU-Vorsitzende Lucia Puttrich, rechts deren Mann Hagen, in der Mitte Bad Vilbels Erster Stadtrat Sebastian Wysocki und links Bürgermeister Thomas Stöhr.
Hoher Besuch im alten Gemäuer

Kurz bevor auf der Bühne mit „Evita“ der letzte Vorhang für diese Burgfestspiel-Saison fiel, tummelten sich auf dem Palas der Bad Vilbeler Wasserburg etwa 200 speziell eingeladene Besucher. Unter ihnen war auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier – der auch noch ein Versprechen im Gepäck hatte.

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Rund 114 000 Besucher, davon 107 039 in Bad Vilbel und rund 7000 bei den Auswärts-Gastspielen der Ensembles, wollten die diesjährigen Eigeninszenierungen, Matineen und Gastspiele sehen, noch einmal etwa 6000 mehr als im vergangenen Jahr. „Tolle Stücke mit einer großen Spreizung“ hätten Kunzmann, die Dramaturginnen Ruth Schröfel und Angelika Zwack sowie alle weiteren Beteiligten auf die Bühne gebracht, lobt Stöhr seine Kulturschaffenden. Dahinter stehe harte Arbeit.

Dass Bad Vilbel Theater so erfolgreich verkaufen könne, liege aber auch daran, dass Stücke für jede Altersgruppe angeboten würden. „Die Stadt Bad Vilbel macht das in Hessen und darüber hinaus bekannt“, ist Stöhr überzeugt.

Extra: Vorbereitungen für 2017 laufen

Nach den Burgfestspielen ist vor der nächsten Saison: Bereits Anfang Oktober wollen die Verantwortlichen bekanntgeben, was es in der kommenden Spielzeit zu sehen geben wird.

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Die Voraussetzungen für eine erneute Rekordsaison waren dabei eigentlich gar nicht gegeben. „Wir freuen uns sehr über die vergangenen 14 Tage, die uns noch einmal tolles Sommerwetter beschert haben“, kann Kunzmann abschließend aber doch lachen. Schwere Sommerunwetter und auch die Fußball-EM ließen nämlich im Vorfeld eigentlich nichts Gutes erahnen.

Gespaltene Reaktionen

Doch die Kombination hat anscheinend wieder einmal gepasst. Gesetzt haben die Theatermacher auf ihr Zugpferd „Evita“, das auch deutlich die meisten Aufführungstermine bekommen hat. Erstmals sprengt ein in Bad Vilbel aufgeführtes Stück nämlich die 20 000er-Marke. Genau 20 319 zahlende Gäste wollten das Musical sehen. Deutlich dahinter erst liegen „Der Name der Rose“ mit 13 197 Zuschauern, „Mein Freund Harvey“ mit 10 664 Gästen und „Der kleine Horrorladen“ mit 9560 Besuchern.

Polarisiert hat dabei vor allem „Der Name der Rose“. „Wir haben ein gespaltenes Verhältnis beim Publikum registriert“, schildert Kunzmann. So gab es viel Zuspruch, aber auch viel Ablehnung zum Stück, das eindeutig nicht zur leichten Kost gehört. Das Stück erfordere Vorbereitung, räumt Kunzmann ein. Doch deswegen habe man ja auch sehr gut besuchte Vorträge und auch Einführungsgespräche zur besseren Einordnung angeboten.

Regisseur Malte Kreutzfeldt hat den Besuchern schon etwas abverlangt. Von seiner Arbeit sind die Verantwortlichen angetan. Man werde an ihm festhalten, allerdings sei es vom Stück abhängig, wann sich Bad Vilbel wieder um seine Dienste bemühen wird.

Überaus erfolgreich verliefen auch die Stücke für die jüngere Generation. „Ronja Räubertochter“ nimmt hier mit 14 794 Zuschauern die Spitzenrolle ein, gefolgt von „Jim Knopf“ mit 13 958 Gästen und der „Zauberflöte“ mit 11 625 Besuchern.

Fast überbucht war der Theaterkeller in diesem Jahr. „Tschick“ kam als Wiederaufführung auf stolze 1360 Gäste, „Er ist wieder da“ auf 1297, „Die 39 Stufen“ auf 983 und „Mondscheintarif“ auf 981. Die Nachfrage war laut Bürgermeister Stöhr so groß, dass er sogar eine Anzeige im „Bad Vilbeler Anzeiger“ entdeckt habe, in der nach Karten gesucht wurde. „Das gab es noch nie“, ist er sich sicher. Hinzu kommen dann noch die Matineen mit 5191 Gästen und die Gastspiele bekannter Künstler mit 2710 Gästen.

Arbeit wird anerkannt

Die breite Ausrichtung für alle Generationen sei inzwischen auch in Wiesbaden positiv registriert worden. So war auch beim erstmaligen Besuch von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zwischen den Zeilen zu lesen, dass die Bad Vilbeler Reihe mehr Fördergelder bekommen soll.

„Ich freue mich über den Paradigmenwechsel“, sagt dazu auch Kunzmann. Denn die Festspiel-Förderung des Landes habe Struktur und Kriterien erhalten, die Töpfe würden aufgestockt. „Unsere Arbeit wird anerkannt“, ist Kunzmann stolz auf das Erreichte. Denn es sei nicht selbstverständlich, sich so stark für Kinder vom Kindergarten bis in die Oberstufe einzubringen. „Die Innovation spielt eine große Rolle, wenn man diese Anerkennung haben möchte. Und wir haben mit unserem Kinder- und Jugendprogramm, Theaterpädagogik und Workshops gepunktet.“

Jetzt wird alles wieder abgebaut, manch eine Requisite wird auseinandergenommen, um später in anderer Funktion wieder verwertet werden zu können. Doch mindestens eines bleibt: Audrey II., die fleischfressende Pflanze aus dem „Kleinen Horrorladen“, wird einen Platz im Fundus finden. „Wenn wir in 20 Jahren zum 50-jährigen Bestehen der Burgfestspiele ein Museum eröffnen, wird sie einen Platz dort finden“, meint Kunzmann gar nicht mal so ganz nur im Spaß.

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