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Zusammenführung: Direktor spricht über Zukunft des Sinclair-Hauses

Das für seine zeitgenössischen Kunstausstellungen weit über die Region hinaus bekannte Museum soll saniert und mit der Stiftung Nantesbuch nahe München zusammengeführt werden.
Johannes Janssen ist seit vier Jahren Direktor des Museums Sinclair-Haus. Bilder > Foto: michael habes Johannes Janssen ist seit vier Jahren Direktor des Museums Sinclair-Haus.
Bad Homburg. 

Rund 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche hat das Sinclair-Haus in Bad Homburg. Damit ist es eines der kleinsten Museen für zeitgenössische Kunst der Region, beheimatet nahe beim Schloss in einem spätbarocken Bau. Der galt lange als Geburtshaus des Hölderlin-Freundes Isaac von Sinclair. So wurde das 1982 gegründete Museum nach Sinclair benannt. Bisher wurde es von der Altana-Kulturstiftung finanziert, hinter der die Quandt-Erbin Susanne Klatten steht. Jetzt ist die Kulturstiftung in Klattens zweiter Stiftung Nantesbuch aufgegangen. Wie es weitergeht, verrät Dr. Johannes Janssen, seit vielen Jahren Kurator und seit vier Jahren Direktor des Museums Sinclair-Haus, im Gespräch mit Christian Huther.

Herr Janssen, weshalb wird das Sinclair-Haus nach dem Ende der „Buchwelten“-Schau am 4. Februar geschlossen?

JOHANNES JANSSEN: Die Bausubstanz des Hauses ist zwar hervorragend, aber wir müssen die veraltete Klima-, Licht- und Sicherheitstechnik erneuern.

Wann wird das Haus wieder geöffnet?

JANSSEN: Wenn alles gut läuft, im Dezember mit einer Schau über das Motiv des Fensters in der Gegenwartskunst.

Entgegen aller Befürchtungen bleibt also das Haus erhalten?

JANSSEN: Ja, wir werden auch in Zukunft ganzjährig drei bis vier Ausstellungen über zeitgenössische Kunst rund um die Themen Natur und Landschaft zeigen. Das Bildungsangebot soll sogar ausgebaut werden.

Und was ist in Nantesbuch geplant?

JANSSEN: Wir werden jetzt von der Stiftung Nantesbuch getragen, die 2012 von Susanne Klatten gegründet wurde. Sie hat in der Nähe von Bad Heilbrunn am Starnberger See ein Gelände von 320 Hektar erworben, der Ort heißt Nantesbuch. Und das, was wir im Nukleus im Sinclair-Haus seit vielen Jahren machen, soll in Nantesbuch in einer größeren und etwas erweiterten Variante realisiert werden, also die Auseinandersetzung mit Kunst und Natur in allen Facetten.

Wird es dort auch Wechselausstellungen geben?

JANSSEN: Eher nicht, aber die Kunst wird dort einen Auftritt haben. Auf Dauer wird ein Teil unserer Kunstsammlung dort zu sehen sein, aber dafür muss erst ein Gebäude errichtet werden. Bereits nach Nantesbuch gewechselt hat die „Daphne“-Skulptur von Markus Lüpertz. Doch am Konzept für Nantesbuch wird noch gefeilt. Dabei fließen auch unsere hiesigen Erfahrungen ein. Es ist im Moment ein sehr kreativer Prozess, an dem wir alle beteiligt sind. Frau Klatten hat das auf den Punkt gebracht: „Wir lassen uns Zeit.“ Eine erste Setzung gibt es mit dem neuen Akademiegebäude, das sogenannte „Lange Haus“, das bereits ein literarisches und wissenschaftliches „Natur“-Programm hat.

Weshalb überhaupt die Teilung in Nantesbuch und Bad Homburg?

JANSSEN: Das ist ganz einfach. Frau Klatten lebt in München und möchte sich eng mit dem Projekt verbinden. Nantesbuch liegt 30 Kilometer südlich von München.

Nun gibt es auch die Kunstsammlung, die ursprünglich als Unternehmenssammlung aufgebaut wurde und sich um die Natur dreht. Die Sammlung ist öffentlich nicht zugänglich, wird aber in Bad Homburg aufbewahrt. Was geschieht mit ihr?

JANSSEN: Sie war der Impulsgeber für alles, was im Sinclair-Haus geschah und ist nun perspektivisch für Nantesbuch gedacht. Aber erst einmal bleibt sie hier, bis Konzept und Gebäude stehen. Wir nutzen die Sammlung ja ab und an für unsere Ausstellungen – und das wird auch möglich sein, wenn sie nicht mehr vor Ort ist. Noch gibt es keinen Zeitplan. Wir müssen erst überlegen, welche Rolle die Kunst spielen kann in einer Natur, die ja schon für sich überwältigend ist.

Wie groß ist die Sammlung? Und wie wird das Thema eingegrenzt?

JANSSEN: Die Sammlung dreht sich um Natur und Landschaft in allen künstlerischen Techniken. Sie umfasst rund 650 Werke aus den vergangenen 50 Jahren von etwa 100 Künstlern. Gegründet wurde sie um die Jahrtausendwende, als das neue Headquarter für die Altana AG gebaut wurde. Das Konzept hat Andrea Firmenich entwickelt. Da der Neubau am Feld- und Waldrand liegt und die Glasarchitektur sehr transparent ist, sagte man: Wir holen die Natur über die Kunst herein. Eine gute Idee, zumal das Natur-Thema damals ein gesellschaftlich sehr drängendes war. Bis heute sind wir damit am Puls der Zeit.

Das Ausstellungsprogramm hat sich inzwischen geändert. Klassiker wie Beckmann, Miró und Nolde oder Jüngere wie Chillida und Penck sind nicht mehr zu sehen. Weshalb?

JANSSEN: Wenn wir uns profilieren wollen, müssen wir sagen, dass wir ein Haus für zeitgenössische Kunst sind. Zudem ist der Expressionismus gut abgedeckt in Frankfurt. Wichtig ist mir auch, dass wir mehr Kooperationen eingehen. So haben wir schon ausgestopfte Tiere aus dem Museum Wiesbaden mit unserer Sammlung konfrontiert. Oder für eine Natur-Schau mit der Offenbacher Hochschule für Gestaltung kooperiert. Dieses kooperative Denken wollen wir in Zukunft verstetigen. Ich möchte künftig jede Schau andocken an eine Institution.

Bis vor wenigen Jahren stand die Sammlung mehr im Fokus der Ausstellungen. Aber jetzt nicht mehr!

JANSSEN: Anfangs haben wir die Sammlung vorgestellt. Nun zeigen wir pointiert einzelne Werke, die zum Ausstellungsthema passen.

Sie haben auch eine große Nähe zur Literatur, zu spüren an vielen literarischen Zitaten in den Ausstellungen.

JANSSEN: Ja, ich schätze die Literatur. Und ich bin kein Freund von erklärenden Texten an der Wand. Da ist die Literatur eine gute Alternative, sie kann Hinweise geben auf das im Kunstwerk Gemeinte. Lieber zitiere ich einen Literaten, als dem Besucher alles fertig zu servieren. Das fordert natürlich die Besucher. Bei uns gibt es auch keine Audioguides, denn die verführen nur zum schnellen und passiven Abgleich zwischen Hören und Sehen. So verkümmert aber das eigene Sehen.

Wie viele Besucher haben Sie? Und woher kommen die?

JANSSEN: Wir haben in den vergangenen fünf Jahren eine Steigerung von etwa 20 000 auf 30 000 Besucher pro Jahr Damit ist das kleine Haus ausgelastet. Die meisten Besucher kommen aus dem Umland bis Mainz, Wiesbaden und Darmstadt, ein Fünftel kommt aus Frankfurt. Aber wir haben auch Hamburger oder Leipziger Gäste. Was aber kaum jemand weiß: Das Haus öffnet unter der Woche erst ab 14 Uhr, da wir uns vormittags den Schulklassen aller Jahrgänge widmen. Die gehen erst in die Ausstellung, dann zum Malen eigenen Gestalten in die Ateliers darüber. Sogar bei den „Buchwelten“ werden das 80 oder 90 Schulklassen sein. Bei der Vernissage sind die Ateliers geöffnet, mit einer tollen Stimmung, die auch Erwachsene zum Mitmachen animiert. Künstlerisch arbeiten während der Vernissage – das gibt es nirgendwo anders.

Insgesamt ein sehr breites Angebot . . .

JANSSEN: Ja, ich möchte zeitgenössische Kunst nicht als Insel verstanden wissen, sondern an den Alltag anbinden, um sie auf ein breiteres Fundament zu stellen.

Museum Sinclair-Haus

Bad Homburg, Löwengasse 15.
Eingang Dorotheenstraße.
Bis 4. Februar, geöffnet Di 14 bis
20 Uhr, Mi–Fr 14 bis 19 Uhr, Sa/So
10 bis 18 Uhr. Eintritt 5 Euro.
Telefon (0 61 72) 40 41 28.
Internet www.museumsinclairhaus.de

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