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Eröffnung der Burgfestspiele: Ein Hase sitzt in Harry’s Bar

Zur Eröffnung der Burgfestspiele Bad Vilbel hatte die Komödie „Mein Freund Harvey“ von Mary Chase über einen unsichtbaren Begleiter Premiere.
Elwood (Peter Albers) ist sehr gesund verrückt. Elwood (Peter Albers) ist sehr gesund verrückt.
Bad Vilbel. 

In ihre 30. Saison starteten nun die Festspiele in der Burgruine vor den Toren Frankfurts, und sie blicken auf eine Erfolgsgeschichte zurück: Im vergangenen Jahr zählten sie über 100 000 Besucher. Es gab Entwicklungen künstlerischer und technischer Art – nur den Zeitungsschreibern in den ersten Reihen tropft es bei Regen immer noch auf den Notizblock. Ein bisschen Regen passte allerdings zu dem Bühnenklassiker um den unsichtbaren Hasen Harvey, wo sich in viel Komik auch ein Schuss Melancholie mischt.

1944 wurde die Komödie der Amerikanerin Mary Chase in New York uraufgeführt, kam großartig an und wurde 1950 mit James Stewart in der Hauptrolle des liebenswert-vertrottelten Elwood Dowd verfilmt. Stewart erinnerte sich später an viele Briefe, in denen ihm seine Fans gestanden, auch sie hätten einen imaginären Freund, der sie begleite und ermutige. Brauchten wir ihn heute nicht auch gelegentlich?

Denn auch darum geht es ja in dem hintergründigen Verwirrspiel um einen reichen Fünfziger, den seine Schwester Veta, Nichte Myrthle und sonstige Verwandte entsetzt betrachten, weil er sozusagen nicht ganz hasenrein ist, fast nichts ohne das 1,80 Meter große weiße Langohr Harvey tut. Ihm wird ein Stuhl am Esstisch freigehalten, für ihn die zweite Theaterkarte gekauft. Sein Freund erklärt ihn sogar wissenschaftlich – als einen aus der keltischen Mythologie stammenden Geist in Tiergestalt.

Alle Häme seiner Umwelt prallt an dem liebenswürdigen Elwood ab, der außer Hasen auch Frauen mag und gern in Harry’s Bar sitzt. Doch irgendwann platzt Schwester Veta der Kragen – der Bruder soll in die Psychiatrie. Die Ärzte aber verfrachten zunächst irrtümlich die hysterische Veta selbst ins Irrenbett. Nun kann die Komödie rollen, und sie tut es unter der Regie von Adelheid Müther recht munter, ohne knallig zu werden.

Auf der Bühne genügt ein kleiner Kubus auf einer Drehscheibe, um vom Hasen-Haushalt zur Klinik zu wechseln, von keifenden Frauen zu spinnerten Ärzten. Peter Albers, der schon unter Regisseur Dieter Dorn spielte, mimt den sanft-skurilen Hasenfreund mit langem Grauhaar und langem Trenchcoat vortrefflich. Als seine martialische Schwester steckt Volker Weidlich in rosa Taft. Eva Maria Kasper gibt sich als Myrthle eher zickig. Eine interessante Figur macht Martin Müller aus dem Chefarzt, dem schließlich auch eine Karotte aus der Jackentasche hängt. Nach dem Fazit, wieviel netter Elwood und sein Hase sind als der Rest der Welt, gab es viel Beifall.

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