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Kommentar zu Istanbul: Der neue Schock

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<span></span> Foto: (FNP)

Der Tod von acht deutschen Touristen in Istanbul ist furchtbar. Unsere Gedanken müssen jetzt bei den Opfern und ihren Angehörigen sein. Der Anschlag hat für die Deutschen eine ähnliche Dimension wie der auf der tunesischen Urlaubsinsel Djerba, der vor 14 Jahren 14 Bundesbürgern das Leben kostete.

Deutschland selbst ist zwar bisher von einem ganz großen Terrorakt wie in New York, Madrid, Paris oder London verschont geblieben. Aber dass wir nicht mehr auf der Insel der Seligen leben, wussten wir längst. Etwa auch seit dem Anschlag auf US-Soldaten auf dem Frankfurter Flughafen oder den Nachrichten von knapp verhinderten Anschlägen im Hauptbahnhof von Bonn, in einem Regionalzug nahe Köln und im Sauerland. Hinzu kamen die vielen Terrorwarnungen des vergangen Jahres, auch wenn die wohl letztlich meist auf Falschmeldungen basierten

Es ist nicht erwiesen, aber durchaus denkbar, dass der gestrige Anschlag gezielt auf deutsche Touristen verübt wurde. Nach dem Rückzug der Russen sind sie mit Abstand die größte Urlaubergruppe in der Türkei. Und mit der Entsendung von Tornado-Flugzeugen sind auch die Deutschen in die Syrien-Kämpfe involviert und zum Hassobjekt des „Islamischen Staates“ geworden, so wie einst von Al-Kaida wegen des Afghanistan-Einsatzes.

Zwar könnten Deutsche theoretisch in der Türkei auch Opfer von Anschlägen der kurdischen PKK werden, aber die richtet ihre Angriffe in der Regel eher gegen türkische Sicherheitskräfte. Aber in jedem Fall erhöhen auch die neuen Kämpfe Ankaras mit der PKK das Sicherheitsrisiko in der Türkei. Zumindest Istanbul ist kein sicherer Ort mehr. Die Tourismusorte in der Ägäis scheinen noch recht sicher zu sein. Aber ein Angriff auf Touristen, wie er sich am Freitag im ägyptischen Badeort Hurghada ereignete, ist auch jederzeit in der Türkei denkbar.

Die Welt ist ein unsicherer Ort geworden. Es scheint leider nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland etwas passiert. Der einzige Trost in diesen unruhigen Zeiten ist ein Hinweis des Terror-Experten Walter Laqueur: Er meint, bisher habe man nach jedem Großanschlag gesagt, es sei jetzt nichts mehr wie vorher. Aber die konzertierten Terror-Aktionen seien zum Glück selten. Weil sie einen so enormen geheimen Aufwand erfordern, dass sie für die Täter nicht so einfach vorzubereiten sind. Allerdings sind Terrorakte durch einsame Wölfe wohl jederzeit möglich.

Der ein oder andere wird möglicherweise jetzt fordern, dass Deutschland sich vom Kampf gegen den IS zurückzieht. Wie der Einsatz in Afghanistan den Al-Kaida-Terror in Djerba nach sich zog, motiviert jetzt der Einsatz in Syrien die IS-Fanatiker zum Kampf gegen Deutschland. Doch sich jetzt in den Krähwinkel zurückziehen und den Verbündeten die Anti-Terror-Arbeit überlassen, geht nicht.

Allerdings wäre Kanzlerin Merkel gut beraten, auf die ehemaligen Verfassungsrichter Papier und Di Fabio zu hören, die die Rückkehr zu echten Grenzkontrollen empfehlen. Auch der Kunde im Supermarkt oder der Fluggast fühlt sich schließlich nicht unter Generalverdacht, wenn er kontrolliert wird. Im Gegenteil: Der Unbescholtene weiß, es ist im eigenen Sicherheitsinteresse. Berichte Seite 3

dieter.sattler@fnp.de

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