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Schlanker zum Erfolg?: Warum das Aussehen bei Politikern heute eine so große Rolle spielt

Von Nicht nur in den USA, auch in Deutschland arbeiten Politiker daran, ihr Erscheinungsbild zu verbessern. Wie Soziologin Michaela Wänke von der Universität Mannheim erläutert, ist das Abnehmen von SPD-Chef Sigmar Gabriel aber im Hinblick auf die Wahl ein durchaus zweischneidiges Schwert.
Die Magenverkleinerung zeigt bereits Wirkung: In dieser Woche war der Politiker schon schlanker. Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa) Die Magenverkleinerung zeigt bereits Wirkung: In dieser Woche war der Politiker schon schlanker.
Frankfurt. 

Wer verliert, gewinnt. Das zumindest könnte Sigmar Gabriel hoffen, der nach seiner Magenverkleinerung nun langsam an Gewicht verliert. Gewinnen will er dagegen das Rennen um die Kanzlerkandidatur, das laut „Bild“-Zeitung bereits für ihn entschieden ist – und dann natürlich die Bundestagswahl. Wie hilfreich wäre da ein besseres Erscheinungsbild.

Denn Politiker werden, wie zahlreiche Studien bereits ergaben, auch an ihrer Attraktivität gemessen. Bilder sind heute schließlich in allen Medien permanent präsent. Wie eine niederländisch-britische Untersuchung etwa vor zwei Jahren zeigte, kommt es dabei vor allem auf ein gesundes Aussehen an. Mit rosigen oder gebräunten Gesichtern verknüpften die Menschen bessere Führungsqualitäten. Ob die betreffenden Gesichter intelligent wirkten, war dagegen zweitrangig.

Gewinner sind größer

„Was attraktiv wirkt, hängt auch von dem Land und seiner Situation ab“, erläutert Michaela Wänke, Psychologin im Bereich Konsumentenpsychologie und Ökonomische Psychologie an der Universität Mannheim, in einem Gespräch mit dieser Zeitung. „Wenn sich ein Land in einem Kriegszustand befindet, kommen Politiker mit maskulinen Gesichtszügen besser an.“

Gerade in den USA spiele das Aussehen eine weitaus größere Rolle als in Deutschland. „Viele unserer Politiker hätten dort keine Chance“, meint Wänke. Bei US-Präsidenten sei zudem festgestellt worden, dass der Gewinner oft größer sei als der Verlierer – Körpergröße gilt bei Männern als ein Zeichen von Attraktivität. Der künftige US-Präsident Donald Trump ist 1,91 Meter groß.

Hier bewegt sich Sigmar Gabriel im Mittelfeld – mit 1,78 Meter ist er ziemlich nah am deutschen Durchschnitt und immerhin größer als Altkanzler Gerhard Schröder (1,74 Meter). Doch sein Gewicht könnte ihm zum Nachteil gereichen.

„Der Trend in unserer Gesellschaft geht in den letzten 50 Jahren dahin, dass Schlanksein und Sportlichkeit mit Erfolg assoziiert wird“, so die Soziologin Wänke, „Dicken dagegen wird schnell mangelnde Willensstärke, Faulheit und Trägheit unterstellt.“ Gabriel wirke allerdings sehr aktiv und dynamisch.

Doch es gibt auch einen gegenteiligen Effekt: „Die Menschen wählen auch gern jemanden, der ihnen ähnlich ist“, räumt Wänke ein, „und viele Bundesbürger haben mit ihrer Figur ja ähnliche Probleme wie Gabriel.“

Nur für die Wähler entschied sich der SPD-Chef nicht für die Magenverkleinerung, für die er kurz vor Weihnachten eine Offenbacher Klinik aufsuchte. Er hat seit Jahren Diabetes, Übergewicht kann zur Verschlimmerung dieser Krankheit führen. Doch der Gedanke, dass er zu diesem Zeitpunkt auch an die Wahl denkt, liegt nah.

Schließlich wäre er nicht der erste Politiker, der an seinem Äußeren arbeitet. Die stellvertretende CDU-Chefin Julia Klöckner nahm 2015 ganze 17 Kilo ab, wurde danach etwa von der „Bunte“ als „strahlend und schön“ bezeichnet.

„Gerade das Aussehen weiblicher Politiker wird immer wieder kommentiert“, weiß die Psychologin. „Sie müssen gut aussehen, aber auch nicht zu feminin, weil das für manche als weniger führungsstark gilt.“

Bouffier wechselte Farbe

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier färbte seine Haare lange in einem gelblichen Blond. Nachdem das Kritik geerntet hatte, wechselte er 2012 zu einem Grauton. Damit strahle er nun die „Seriosität aus, wie sie ein Landesvater braucht, der im nächsten Jahr eine Wahl zu bestehen hat“, schrieb damals die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Und die Mutter aller Veränderungen ist natürlich Angela Merkel. Sie wurde am Anfang ihrer Karriere wegen ihres Aussehens verspottet, arbeitete dann aber hart daran. „Sie hat sich angepasst und ist heute gut angezogen, geschminkt und frisiert“, so Wänke. „Ihr Aussehen kommentiert heute niemand mehr – entweder weil die Leute sich daran gewöhnt haben oder weil sie sich jetzt eher mit den Inhalten ihrer Politik befassen.“

Denn obwohl das Aussehen eine immer größere Rolle spielt – unwichtig sind die politischen Inhalte doch nicht geworden. Wenn es daran hapert, könnte es also auch für einen schlanken Gabriel ganz dicke kommen.

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