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TV-Kritik: Ein glaubhafter Dresden-Tatort, der trotzdem blass bleibt

Von Neuer Fall für "Tatort"-Team Dresden: Nach dem Mord an einem Abteilungsleiter gerät ein Versicherungskonzern ins Visier der Ermittler. Unser Kritiker sagt: Guter Hintergrund, mäßiger Plot -
Die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) befragen diskret eine Mitarbeiterin der ALVA. Foto: MDR/Wiedemann & Berg/Gordon Muehle Die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) befragen diskret eine Mitarbeiterin der ALVA.

Schon ein ziemlich widerlicher Typ, dieser Heiko Gebhardt vom Versicherungskonzern Alva. Alexander Schubert (bekannt als Alexander Humboldt aus der Heute-Show), der ihn spielt, hat aber leider nur wenig Zeit, Gebhardt in seiner ganzen niederträchtigen Pracht zu spielen: Während er noch telefoniert, bemerkt er plötzlich voller Schreck Blut, das an seiner Hand herunterläuft.  Eine Kugel hat ihn getroffen. Nach weiteren Treffern bricht er tot in seinem Büro zusammen.

Für das Dresdner "Tatort"-Team, bestehend aus den Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) sowie Kommissariatsleiter Peter Schnabel (Martin Brambach), gibt es also reichlich zu tun: Der Tote hatte viele Feinde, nicht nur Mitarbeiter Rainer Ellgast (Arnd Klawitter), der selbst auf Gebhardts Posten scharf war. Aber vor allem sind es jede Menge wütender Kunden der Alva, die ins Visier der Ermittler geraten.

Wenn Erfolg Vergangenheit wird

Da wäre etwa Harald Böhlert (Peter Schneider), einst erfolgreicher Unternehmer, der aber nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und dem die Alva mit fadenscheiniger Begründung die Auszahlung der Berufsunfähigkeitsversicherung verweigert. Zu Beginn der Geschichte versucht er sogar, sich eine abschüssige Straße hinunterzurollen, um sich umzubringen. Hat seine Frau Ines (Marie Leuenberger) Heiko Gebhardt erschossen? Sie ist Raucherin, der Schütze feuerte von einem Hochhausdach, und dort findet die Polizei jede Menge Zigarettenstummel.

Oder Fabian Rossbach (Sascha Göpel), der nach zwei Unfällen aber ebenfalls als berufsunfähig anerkannt werden will. Schnabel, der ihm einen Besuch abstattet, findet aber jede Menge Sportkleidung bei ihm und entlarvt ihn darum als Betrüger. Während er sich ziemlich schnell mit Ellgast anfreundet, der seine reaktionären politischen Ansichten teilt.

Guter Hintergrund, mäßiger Plot

Nicht immer einfach, einen Film mit ausgeprägter gesellschaftskritischer Note zu drehen. Nur allzu schnell mündet das Gezeigte in einen Thesenfilm, und ganz frei davon ist auch "Auge um Auge" nicht. Was freilich nicht zwingend ein Nachteil sein muss: Tricks und Hinhalte-Manöver von Versicherungen nehmen einen breiten Raum ein, und man muss den Autoren Ralf Husmann ("Stromberg") und Peter Probst eine sehr gute Recherche über die Hintergründe bescheinigen.

Das Gezeigte wirkt darum zumindest glaubhaft, soweit es die Machenschaften von Versicherungen betrifft. Dennoch gerät die Verbindung mit dem Krimi-Plot durch die blasse Täterin nur durchschnittlich. Eine kleine Nebenhandlung mit Flüchtlingsthematik hinterlässt ebenfalls einen durchwachsenen Eindruck. Was anfangs noch ziemlich gut gelang, läuft gegen Ende mit einem deplatzierten Streit zwischen Henni und Freund Ole (Franz Hartwik) aus dem Ruder.

Schon besser: Die ständigen Spannungen zwischen den beiden Kommissarinnen und ihrem Chef, von Brambach mit feiner Ambivalenz gespielt. Und die Inszenierung bügelt auch noch einiges aus. Regisseurin Franziska Meletzky hat der Geschichte mit dem Mordversuch auf dem Weihnachtsmarkt samt Massenpanik nämlich optisch noch eine gute Dosis Pfeffer gegeben, was über einige holprige Stellen hinwegtröstet.

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