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TV-Kritik: "Familienbande": Diese Szene muss man gesehen haben!

Von "Ein starkes Team" glänzt hier durch Justus von Dohnányi in einer Kotzbrocken-Rolle. Auch der Rest des Krimis lohnt das Ansehen. Besonders gefällt eine unerwartete Wendung.
Jette Andersen (Mette Lysdahl) versucht, ihre Kidnapperin Melanie Meiners (Michelle Barthel) zu manipulieren. Foto: Katrin Knoke Jette Andersen (Mette Lysdahl) versucht, ihre Kidnapperin Melanie Meiners (Michelle Barthel) zu manipulieren.

"Ein starkes Team" glänzt hier durch Justus von Dohnányi in einer Kotzbrocken-Rolle. Auch der Rest des Krimis lohnt das Ansehen. Besonders gefällt eine unerwartete Wendung.

 

Mit so einem Gegner haben es Kidnapper im Kriminalfilm nur selten zu tun. Uwe Reibert (Justus vonDohnányi) ist wohlhabender Unternehmer, der sich nicht nur nicht ins Bockshorn jagen lässt, sondern sogar schon seine eigenen Spezialisten zu Hilfe ruft, als seine Tochter entführt wurde. Sarah Reibert wurde von zwei Maskierten ins Auto gezerrt, als sie ihren kleinen Bruder Niels vom Arzt abholte. Dabei gab es einen Toten.

 

Die Fahnder Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) und Otto Garber (Florian Martens) sind über die Kaltblütigkeit Reiberts verblüfft. Zudem steht plötzlich Reiberts entführt geglaubte Tochter Sarah (Luise von Finckh) vor der Tür: Die Kidnapper haben statt seiner Tochter das dänische Au-pair-Mädchen Jette Andersen (Mette Lysdahl) entführt. Für das Mädchen will Reibert erst gar nichts zahlen.

 

Doch bald spitzt sich die Situation zu, denn nicht nur Reiberts Ex-Bediensteter Carsten Kliefoth (Uwe Preuss) steckt in der Geschichte mit drin. Auch Jette verbindet etwas mit Reibert. Entführungen sind im Kriminalfilm ein beliebtes Motiv. Die Ausführungen schwächeln aber mitunter: "Keine zweite Chance" hieß der kürzlich von Sat1 ausgestrahlte Krimi mit Petra Schmidt-Schaller, der seine Wirkung durch gelegentliche Hänger in der Handlung und wenig durchdachte Details nicht voll entfalten konnte.

 

Diese Idee ist Spitze!

 

Mit dem Sat1-Film hat der neueste ZDF-Krimi ein etwas schräges Gangsterpärchen gemeinsam. "Familienbande" präsentiert aber eine weit besser entwickelte Geschichte, die auch durch einige sehr feine Wendungen schon früh für sich einnimmt. Besonders, als Jette ihren Entführer Tobias Stens (Merlin Rose) überlistet, flüchten kann, auf die Straße rennt – und dann etwas passiert, was die Situation ins komplette Gegenteil von dem verkehrt, was der Zuschauer erwartet.

 

Allein schon für diese Szene lohnt sich der Krimi! Drehbuchautor Leo P. Ard (Pseudonym für Jürgen Pomorin) hat sich zudem mit Erfolg bemüht, die üblichen Klischeefiguren von Kidnapper-Geschichten aufzubrechen. Niemand reagiert hier panisch, im Gegenteil: Uwe Reibert zeigt sich als arroganter und hartherziger Kotzbrocken, dem man sogar zutraut, wessen ihn Jette beschuldigt.

 

Das hinterhältige Opfer

 

Und die entführte Jette hat so gar nichts mit einem hilflosen weiblichen Opfer zu tun. Jette ist schlau, manipulativ und erfinderisch, etwa als sie Melanie Meiners (Michelle Barthel) von einer Vergewaltigung erzählt. Das Drehbuch präsentiert mit der Reibert-Familie und den anderen Beteiligten ein durchdachtes Beziehungsgeflecht, wobei der Verdacht immer wieder in eine andere Richtung gelenkt wird.

 

Von den Schauspielern bleibt besonders Justus von Dohnányi im Gedächtnis: Im Grunde ist er der Hauptschurke des Films. Getragen wird die Geschichte zudem von den überzeugenden Gastschauspielerinnen Mette Lysdahl, Luise von Finckh und Michelle Barthel. Der Krimi ist zwar nicht frei von Schwächen wie der arg klischeehaft als Kettenraucherin und Trinkerin agierenden Mutter Jettes. Dennoch ist es eindeutig wieder ein richtig guter Fall des starken Teams.

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