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Finanzen: Neue EU-Richtlinie zum Zahlungsverkehr macht Flugbuchungen und Fahrkartenkäufe günstiger

Von Von heute an gelten EU-weit neue Regelungen im Zahlungsverkehr - die "PSD2"-Richtlinie tritt in Kraft. Das klingt zwar abstrakt, doch erste positive Auswirkungen für Verbraucher gibt es bereits.
Auch die Deutsche Bahn hat Gebühren für die Zahlung per Kreditkarte abgeschafft. Foto: Wolfgang Kumm (dpa) Auch die Deutsche Bahn hat Gebühren für die Zahlung per Kreditkarte abgeschafft.
Frankfurt. 

Bei Flugbuchungen im Internet oder dem Kauf von Bahn-Fahrkarten war es bisher eine ärgerliche Hürde: Für die Zahlung per Kreditkarte, Lastschrift oder Überweisung verlangte der Anbieter eine zusätzliche Gebühr. Und gerade bei Kreditkarten waren diese oft happig. Dieser Praxis schiebt der Gesetzgeber nun einen Riegel vor: Von heute an ist es Händlern – sowohl online als auch an der Ladenkasse – untersagt, für die gängigen Zahlungsmöglichkeiten solche Aufschläge zu verlangen.

Die Post, die Bankkunden in den vergangenen Wochen von ihrem Institut bekommen hatten, dürften zwar viele nicht gelesen haben. Doch hinter den unscheinbaren Schreiben über „Änderungen von Vertragsbedingungen“ steckt die „Payment Service Directive“-Richtlinie („PSD2“) der EU, mit der Brüssel den Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr ankurbeln will. Ab dem heutigen Samstag gilt sie auch nach deutschem Recht. „Verbraucher können durch die neue Richtlinie profitieren – Zahlungen in der EU werden einfacher, günstiger und schneller“, sagt Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU).

Beispielsweise mussten Kunden bisher bei Missbrauch der Bank- oder Kreditkarte oder von TANs im Online-Banking für Schäden mit bis zu 150 Euro haften, solange sie Karte oder Internet-Konto nicht gesperrt hatten. Künftig sinkt diese Haftungsgrenze auf 50 Euro. Nur bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz haften Kunden weiterhin unbeschränkt. Und bevor Mietwagenfirmen oder Hotels zur Sicherheit eine Kaution auf der Kreditkarte blockieren können, muss der Kunde künftig zustimmen.

Neue Regeln für Fintechs

„PSD2“ bricht zudem das Monopol der Banken beim Zugriff auf Kontodaten. Wer weiß, wie viel Geld Privatkunden haben und für was sie es ausgeben, kann ihnen leicht weitere Dienste anbieten – Baufinanzierungen, Kredite, Versicherungen oder Wertpapiere. Künftig müssen Geldhäuser nach dem Willen der EU auch Fintechs oder anderen Drittanbietern den Zugriff auf Kontodaten ihrer Kunden ermöglichen. So gibt es Start-ups, die Zinsen verschiedener Banken für Tagesgeld oder Baufinanzierungen vergleichen. Andere Apps verwalten die Konten bei verschiedenen Banken und ermöglichen die Übersicht auf einen Blick. Die Anbieter dürfen künftig Kontostände und Transaktionen der vergangenen zwölf Monate einsehen. Allerdings müsste der Kunde ausdrücklich zustimmen – und viele Deutsche dürften zögern, irgendwelchen Start-ups Einblick in ihr Konto zu gewähren. Auch die Banken sind wenig begeistert: Es sei „unverständlich“, dass Drittdienste einen gesetzlich definierten Zugang zur Infrastruktur der Banken hätten, der umgekehrt nicht gelte, beklagte der Bankenverband (BdB).

Auch Thomas Sontheimer von der Beratungsgesellschaft Accenture glaubt, dass „PSD2“ die Geldhäuser langfristig in Bedrängnis bringen könnte. „Die Richtlinie wird die Transparenz im europäischen Zahlungsverkehr erhöhen und vermutlich den Preisdruck verstärken.“ Kunden könnten zum Beispiel über Angebote von Fintechs mehrere Konten gleichzeitig überblicken und Geld statt per Hausbank über Drittfirmen überweisen.

Bahn als Vorreiter

Die ersten Auswirkungen jedenfalls gibt es schon: Die Deutsche Bahn verzichtet bereits seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember vorigen Jahres auf die vor einiger Zeit eingeführten Kreditkartengebühren (50 Cent und mehr bei Preisen ab 50 Euro). Bei Easyjet fallen neuerdings laut Website nur noch Kreditkartengebühren der Bank für den Auslandseinsatz in Großbritannien an. Bei Ryanair kosten Kreditkarten und Paypal laut Website weiterhin eine Gebühr von zwei Prozent des Gesamtpreises – noch.

Die Lufthansa (ebenso wie die Töchter Swiss, Austrian, Brussels Airlines) kassierte 1,65 Prozent Aufschlag – bis zu unterschiedlichen Stichtagen in den einzelnen EU-Ländern. In Deutschland fielen die Gebühren nach Konzernangaben schon zum 10. Januar weg – außer für Kreditkarten, die außerhalb der EU ausgegeben wurden, für Firmenkreditkarten und Paypal. Auch die Tochter Eurowings hat die frühere Gebühr in Höhe von zwei Prozent für Neubuchungen ab 11. Januar gestrichen – das gilt für alle Kreditkarten und auch für Paypal-Zahlungen.

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