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Hessische Tischtennismeisterschaften: Erschreckendes Desinteresse

Von Bei den Landesmeisterschaften in der Halle glänzen vor allem die männlichen Spitzenspieler durch Abwesenheit.
Einer der wenigen HTV-Kaderspieler, die in Offenbach um den Titel spielen: Der 17-jährige Oliver Tobisch vom TC Palmengarten. Foto: Hikmet Temizer Einer der wenigen HTV-Kaderspieler, die in Offenbach um den Titel spielen: Der 17-jährige Oliver Tobisch vom TC Palmengarten.
Offenbach. 

Am heutigen Freitag von 9.30 Uhr an werden im Offenbacher Landesleistungszentrum Rosenhöhe die Hessischen Tennismeisterschaften fortgesetzt, am Sonntag werden die neuen Hallen-Champions fest stehen. Bei den Damen ist die Konkurrenz ordentlich. Die beiden Finalistinnen der Freiluft-Meisterschaft 2016, Natalie Pröse (TGS Offenbach Bieber) und Jil Nora Engelmann (Tennis 65 Eschborn) haben angesichts der starken Konkurrenz die Endspielteilnahme keineswegs sicher. Die topgesetzte Pröse, die sich in der Halle 2015 und 2016 behauptete, gilt aber als die große Favoritin.

Bei den Herren glänzt die hessische Spitze komplett durch Abwesenheit. Titelverteidiger Philip Stokmar vom SC 80 Frankfurt und Vorjahres-Finalist Maximilian Abel vom TK Langen sind ebenso wenig am Start wie die anderen Regionalliga- und mit Ausnahme von vier Akteuren auch alle Hessenligaspieler. Den Namen des Titelträgers wird man in den Siegerlisten später wahrscheinlich nicht allzu oft wiederfinden.

Das Desinteresse der Spitzenspieler ist erschreckend. Viele sind zu diesem Zeitpunkt in den USA, wo sie College-Tennis spielen. Doch wo bleiben die Routiniers und die daheim weilenden Kaderspieler? Die Antwort ist einfach: Sie haben keine Lust. Das Gesamtpreisgeld von 3000 Euro, jeweils 700 für den Hessenmeister, ist anscheinend kein Anziehungspunkt. Peter Becker, Sportwart des Hessischen Tennis Verbandes (HTV), bereitet die Entwicklung große Sorgen: „Ich habe schon überlegt, einen größeren Sponsor zu gewinnen und die Hessenmeisterschaft, ähnlich wie in anderen Verbänden, bundesoffen auszuschreiben.“ Das würde viele Spieler, die auf der deutschen Rangliste zwischen 50 und 150 stehen, nach Offenbach locken. Aber wozu? Hand aufs Herz: Würde Sie ein Herren-Finale Bastian Wagner (Berlin) – Johann Willems (Versmold) oder das Damen-Endspiel Anna Gabric (Stuttgart) gegen Vinja Lehmann (Hamburg) als Zuschauer in die Halle locken? Es wären immerhin die Duelle der deutschen Nummer 50 gegen 51. „Sie würden das Niveau anheben. Aber unsere Talente würden gar nicht ins Hauptfeld kommen“, erläutert Becker.

Um möglichst vielen den Zugang zu erleichtern, schrieb Becker die Konkurrenz wie schon 2016 jeweils für 32er Felder aus. „Dieses Spielsystem hat sich bewährt. Wir benötigen keine Qualifikationsspiele, die Spieler haben eine Sicherheit, im Hauptfeld zu sein“, so der Sportwart. In der Praxis sah es anders aus. Bei den Damen gab es fünf, bei den Herren drei Spieler, die aufgrund ihrer Ranglistenposition ursprünglich abgelehnt und auf die Warteliste gesetzt werden mussten. Am Ende waren alle dabei, denn einige der Gemeldeten kamen einfach nicht.

Und wie dankten die jungen Kaderspieler dem Verband die Bemühungen, ihnen die Gelegenheit zu geben, sich mit gestandenen Cracks zu messen und um Landestitel zu spielen? Hier zwei Beispiele: Der Wiesbadener Niklas Schell, 18 Jahre alt, Deutscher Jugendmeister 2014 und 2015, seit Jahren vom HTV gefördert, sagte wegen der Teilnahme an einem Turnier im Baltikum ab. Als die erste Runde der Meisterschaft am vergangenen Samstag gespielt wurde, war er in Offenbach, fragte nach, um wie viel Uhr die Spiele zu Ende seien, weil er mit HTV-Geschäftsführer Thomas Kilbert trainieren wolle. „Wir wären ihm natürlich entgegen gekommen, hätten sein Match so platziert, dass er nach der Rückkehr Zeit gehabt hätte, sich auszuruhen“, erklärte Peter Becker, der durch die Anfrage des Spielers sichtlich irritiert wirkte.

Tim Büttner (18/Eintracht Frankfurt) sagte wegen seines Abiturs ab. Verständlich. Aber wenn er Zeit fand, um nach Offenbach zu fahren, um im Kraftraum zu trainieren, hätte er vielleicht auch die Zeit für maximal fünf Matches binnen neun Tage finden können? Kathleen Kanev (16/TV Wetzlar und SAFO Frankfurt) sowie die gleichaltrige Sarah Nikosevic (noch Offenbacher TC) spielten parallel ein Turnier im 140 km entfernten Altenkirchen. Peter Becker hat mit dem dortigen Turnierdirektor dreimal telefoniert, um die Spielpläne derart anzupassen, damit die Spielerinnen beide Wettbewerbe absolvieren können. Nikosevic winkte schon zwei Tage vorher ab, Kanev erklärte am Spieltag, dass ihr die Anstrengung zu groß wäre.

Der Verband ist gefragt. Es kann doch nicht sein, dass Talente kostenlos Verbandstraining bekommen, sich im Landesleistungszentrum fit machen können, Zuschüsse zu Turnieren kassieren, aber an der Meisterschaft nicht teilnehmen. In einer Woche steht die HTV-Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen an. Das Thema der Kaderförderung sollte nicht außen vor bleiben.

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