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Bundestrainer über Karate als olympische Sportart: Interview mit Efthimios Karamitsos: „Es geht auch um Werte“

Karate steht erstmals bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio im Programm. Das ist sehr erfreulich für den Deutschen Karate-Verband (DKV). Über die neue Situation, die Veränderungen in dieser Kampfsportart im Laufe der vergangenen Jahrzehnte und seine persönliche Zukunft unterhielt sich Stefan Fritschi mit Bundestrainer Efthimios Karamitsos. Der 60 Jahre alte gebürtige Grieche leitet in Frankfurt das Kata-Bundesleistungszentrum.
Erfahrener Lehrer: Seit 1992 ist Efthimios Karamitsos Bundestrainer. Erfahrener Lehrer: Seit 1992 ist Efthimios Karamitsos Bundestrainer.

Herr Karamitsos, 2016 wird als wegweisendes Jahr in die Geschichte des Karate eingehen. Die Kampfsportart ist bei den nächsten Olympischen Spielen im Programm, was bedeutet dies für Sie?

EFTHIMIOS KARAMITSOS: Freude und mehr Anerkennung, aber auch mehr Arbeit und Verantwortung. Alle Nationen werden sich neu organisieren. Die Qualität wird sich auf jeden Fall steigern, wir werden noch mehr mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten.

Der DKV handelte bereits und nominierte Anfang Dezember den Kader für den olympischen Zyklus. Haben ihre Athleten Medaillenchancen?

KARAMITSOS: Karate ist eine vorläufige olympische Sportart. Deshalb ist die Anzahl der Teilnehmer begrenzt. Nur zehn dürfen in jeder Disziplin starten, 2018 und 2019 werden Qualifikationen durchgeführt. Dann sehen wir weiter.

Von dem von Ihnen trainierten Kata-Team, das bei der Weltmeisterschaft 2014 in Bremen Gold gewann, sind noch Jasmin Bleul und Sophie Wachter dabei. Warum nicht mehr Christine Heinrich?

KARAMITSOS: Christine studiert und ist am Ende ihrer Karriere. Mit der 18-jährigen Daniela Woelke (sie ist zehn Jahre jünger als Heinrich, die Redaktion) steht eine Frankfurterin im Olympia-Kader, die seit drei Jahren bei mir trainiert.

Ist der nominierte Philip Jüttner der einzige Kata-Spezialist aus ihrer Trainingsgruppe, der nationale Spitze repräsentiert?

KARAMITSOS: Dazu zählt auch noch Paul Baum, er gehört dem Perspektiv-Kader an. Er ist als Jugendlicher bei mir im Budocenter eingestiegen.

Hat die bei der IOC-Session in Rio de Janeiro getroffene Entscheidung, dass Karate olympisch wird, schon Auswirkungen auf den Karate-Alltag gehabt?

KARAMITSOS: Nein. Diese Entscheidung betrifft den Leistungssport, das hatte keine besonderen Auswirkungen nach außen.

Sie sind mehrfacher Deutscher Meister und Europameister und seit 1992 Kata-Bundestrainer. Wie hat sich diese Kampfsportart in dieser langen Zeit entwickelt?

KARAMITSOS: Karate ist mehr Leistungssport, also dynamischer und schneller geworden. Der Fokus wird auf den Erfolg gelegt. Entsprechend ist der Wettkampfkalender gefüllt, fast in jedem Monat findet eine wichtige Veranstaltung statt. Die Gesundheit wird demnach auch viel mehr beansprucht, Verletzungen nehmen zu. Zu meiner aktiven Zeit gab es in einem Jahr die Weltmeisterschaft und im nächsten die Europameisterschaft. Erfolg stand da noch nicht so im Blickpunkt, da konnte man den Sport mehr genießen. Die Entwicklung zum Leistungssport ist ein fließender Prozess gewesen.

Was halten Sie von Kampfsport-Events, die mit viel Aufwand vermarktet werden?

KARAMITSOS: Da werden andere Schwerpunkte gesetzt. Bei uns geht es auch um Werte. Ich denke dabei an Respekt, Höflichkeit, Demut.

Sie sind seit fast einem Vierteljahrhundert Bundestrainer, das ist eine erstaunlich lange Zeit. Was für eine Rekordmarke wollen Sie aufstellen?

KARAMITSOS: Ich habe Verpflichtung und Verantwortung für meine Athleten, die möchte ich nicht alleine lassen in der Qualifikationszeit für Olympia. Ich glaube nicht, dass ich für 2024 das alles noch mal machen werde. Es kommt ja jetzt immer mehr Schriftkram hinzu . . .

Haben Sie sich schon einen Nachfolger ausgeguckt?

KARAMITSOS: Das macht das Präsidium. Ich stehe aber zur Verfügung, wenn mein Rat gefragt ist. Man muss das Bundestraineramt jedenfalls mit Herz und Leidenschaft ausfüllen.

Dann haben Sie mehr Zeit für ihr
Dojo. Was bedeutet Ihnen das Budocenter in Bornheim in der Berger Straße, das Sie seit 20 Jahren führen?

KARAMITSOS: Viel Liebe, Herz und Engagement.

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