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Jürgen Freiwald: Das verrückte Leben des Professor F.

Was der Mann vom SV Bommersheim erlebte, böte genug Stoff für ein Buch. Angesichts seiner Begegnungen, etwa mit Sean Connery, fragt man sich, warum Professor Dr. Jürgen Freiwald noch keines geschrieben hat.
Szene aus dem Film „Der Name der Rose“.   Sean Connery wurde von Freiwald gedoubelt. Foto: imago sportfotodienst Szene aus dem Film „Der Name der Rose“. Sean Connery wurde von Freiwald gedoubelt.
Hochtaunus. 

Ein Studium erfolgreich abzuschließen, zu promovieren oder gar zu habilitieren, „seinen Doktor zu machen“ oder gar zu einer Professur zu kommen – wenige bekannte Fußballer haben das geschafft. Dr. med. Jupp Kapellmann, früher Bayern München, ist einer von ihnen. Eintracht Frankfurt könnte den Zahnarzt Dr. Peter Kunter vorweisen als auch Dr. Stefan Lottermann. Bei Bernd Nickel, alias „Dr. Hammer“, ist es allerdings kein akademischer Titel. Der Mann erhielt ihn einst aufgrund seiner Schusskraft.

Man muss, um akademische Würden zu erlangen, aber auch nicht unbedingt in einem Elfenbeinturm vor sich hin brüten und seine Zeit überwiegend in Bibliotheken verbringen. Jürgen Freiwald, ein „verrückter Typ“ , wie er sich selbst nennt, hat das Gegenteil bewiesen. Er ist ein Mann der Praxis, der weiß, wie es auf dem Platz zugeht und in den Kabinen, vor und nach einem Spiel.

Profis suchen seinen Rat

Heute ist Freiwald auf jeden Fall der Professor Doktor unter den ehemaligen Hochtaunusfußballern, der die verrücktesten Geschichten erlebt und zweifelsohne Besonderes geleistet hat.

Freiwald, der im August sechzig wird, gilt als angesehener Sportwissenschaftler, der in diesem relativ jungen Wissenschaftszweig durchaus Pionierarbeit leistete. Selbst mit einer A-Lizenz für Fußballtrainer ausgestattet, hat er unter Mirko Slomka für Schalke 04 und Hannover 96 gearbeitet und wird heute von Sportlern und Institutionen aller Couleur als wissenschaftlicher Ratgeber geschätzt. Er nennt in diesem Zusammengang nicht gerne Namen. Aber eine Zahl: 128 Bundesligaspiele seien im Vorjahr bei ihm an der Wuppertaler Universität in Behandlung gewesen oder hätten sich beraten lassen.

Als Freiwald beim SV Bommersheim als Bub anfing zu kicken, hatte er freilich noch ganz andere Dinge im Kopf. Über die Stationen FSV Frankfurt und die Spielvereinigung Neu-Isenburg kam er in den Hochtaunuskreis zurück und spielte bei der Spielvereinigung 05 Bad Homburg in der Hessenliga, bei der DJK Bad Homburg und wirkte später als Spielertrainer in Seulberg und in Bommersheim.

„Pferdelunge“, „Konditionswunder“ und „unangenehmer Gegner“ – das sagen frühere Mit- und Gegenspieler über ihn, der meist in der Defensive spielte. „Gewisse technische Mängel“ gibt er zu. Die habe er kompensiert durch Schnelligkeit, Ehrgeiz und Ausdauer.

Dass er dann als Trainer mit Tennisbällen spielen ließ, sprach sich im Taunus herum wie ein Lauffeuer. Das hatte bis dahin noch kein Trainer im Programm. Heute ist das Normalität, wenn es um Bewegungskoordination geht.

Was Freiwald in seiner Zeit als Fußballer und als Student genau wollte, sei lange nicht ganz klar gewesen, nur eines habe festgestanden: „Sport hat mich praktisch als auch theoretisch interessiert.“ Er sei damals ein sehr spezieller Typ gewesen, ein Tausendsassa und Individualist. Fußball spielen und nebenbei Sport und Medizin zu studieren, das alles reichte Freiwald jedenfalls nicht. Als einer der Ersten im Umkreis eröffnete er ein Fitnessstudio (in Bad Homburg), später als Erster eines nur für Frauen (in Friedrichsdorf).

Im Namen der Rose

Als Stuntman war Freiwald ebenfalls im Einsatz. Das geht schließlich auch im weitesten Sinne als Sportler durch. Als solcher doubelte er den berühmten James-Bond-Darsteller Sean Connery im Film „Der Name der Rose“, der im Kloster Eberbach im Rheingau gedreht wurde. Den Kontakt stellte ein Kunde seines Fitness-Studios her. Freiwald erinnert sich: „Ich musste anstelle von ihm eine Treppe herunterfallen. Ungefährlich war das nicht. Vorher hatte ich, um das Risiko zu minimieren, den Boden, auf dem ich aufprallte, gut präpariert.“

Auch Breakdance hat etwas mit Sport zu tun. Freiwald habe diesen Trend damals hierzulande salonfähig gemacht, so sagt er, jedenfalls bot er als Erster im Umkreis Kurse dafür in seinem Studio an.

Zu seiner Zeit im Showgeschäft passt wiederum, dass Freiwald ein Musical über eine Zeitreise vom Wiener Kaffeehaus bis zu „Mr. Robot“ initiierte. Markus Mörl, Sänger der Neuen Deutschen Welle („Ich will Spaß“), Ivan Rebroff und das damals letzte lebende Mitglied der Comedian Harmonists, Roman Cycowski, waren dabei, als die Show im Musiklokal „Gambrinus“ in Bad Homburg mit Rainer Maria Ehrhardt als Conferencier (heute Bad Homburger Volksbühne) aufgeführt wurde.

Der seriöse Weg

Als ihn dann, Ende der Achtziger, ein Frankfurter Professor in der Uniklinik mit einem speziellen Projekt beauftragte, galt als Voraussetzung: „Die Muckibuden müssen Sie verkaufen.“ Freiwald tat dies, beschritt den wissenschaftlichen Weg, „den seriösen“, wie er schmunzelt ergänzt.

Er promovierte, habilitierte und ist nach Professuren in Münster und Freiburg heute an der Universität in Wuppertal Leiter des Arbeitsbereiches Bewegungs- und Trainingswissenschaft sowie des Forschungszentrums für Leistungsdiagnostik und Trainingsberatung. Jürgen Freiwald, verheiratet, zwei Söhne, vergisst bei allem Erfolg nicht seinen Vater Erich und dessen enge Verbindung mit dem Verein SV Bommersheim. In Gedanken an ihn wird er ganz bescheiden.

Dem SVB verbunden

Er sagt: „Ich habe bei weitem nicht so viel geleistet wie mein Vater. Wie er sich über Jahrzehnte beim SV engagiert hat, ist großartig. Diese Konstanz war vorbildlich, und es ging ihm richtig schlecht, als es Probleme im Verein gab. Am Ende hat er noch miterlebt und sich gefreut, als engagierte Menschen den SV 1912 Bommersheim wieder in sichere Bahnen geführt haben.“

Freiwald senior wurde noch kurz vor seinem Tod mit dem Titel „Ehrenvorsitzender“ gewürdigt. Sein Filius ist auch heute noch Mitglied des SV Bommersheim und so dem Hochtaunus-Fußball verbunden.

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