Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Vatanspors Eugen Schiffmann: Hochbegabter ohne Fortune

Warum ist ein früherer Jugendnationalspieler „nur“ für Vatanspor Bad Homburg in der Verbandsliga Süd am Ball? Eugen Schiffmann kann es gut erklären.
Von Spielern seiner Klasse haben nicht viele in jüngerer Vergangenheit für einen Bad Homburger Verein den Fußball gestreichelt: Eugen Schiffmann. Umso härter trifft den TSV Vatanspor seine Verletzung. Foto: Heiko Rhode (Heiko Rhode) Von Spielern seiner Klasse haben nicht viele in jüngerer Vergangenheit für einen Bad Homburger Verein den Fußball gestreichelt: Eugen Schiffmann. Umso härter trifft den TSV Vatanspor seine Verletzung.
Königstein/Bad Homburg. 

Wie ein Häufchen Elend wirkt Eugen Schiffmann nicht. Trotz seines Wadenbeinbruchs, den er sich im Verbandsligaspiel gegen den FC Bensheim zugezogen hat. Sicher, ein Gegner hat sein rechtes Bein unglücklich getroffen. Eine Staatsaktion will er daraus nicht machen. Gestern im Gespräch in Königstein meint Schiffmann stattdessen: „So etwas kann beim Fußball immer mal vorkommen, damit muss man einfach rechnen.“ Ein Foto an Krücken? Das ist nichts für ihn. Eins im Trikot, mit dem Ball am Fuß, wie bei den meisten Angriffen von Vatanspor Bad Homburg, schon eher.
 

Neun Länderspiele für Deutschland

Eugen Schiffmann (29) wurde in Karatau (Kasachstan) geboren, kam als Spätaussiedler mit Familie in den Taunus, hat die deutsche Staatsangehörigkeit und studiert Sportwissenschaften.

clearing

Woran erkennt man einen guten Fußballspieler? Unter anderem daran, dass der Betreffende, wenn er zu einem neuen Team wechselt, keine lange Eingewöhnungszeit braucht. Als Schiffmann im September des Vorjahres zum TSV Vatanspor kam, war er sofort Stammspieler. Akzeptiert von seinen neuen Teamkollegen, half er dem Verbandsligisten als Spielgestalter gleich erheblich weiter.

Die Anpassungsfähigkeit kommt nicht von ungefähr, denn Vereinswechsel prägen Schiffmanns Laufbahn, obwohl er eigentlich, wie er sagt „nicht jemand ist, der gerne wechselt. Wohlfühlfaktor und Perspektiven sind meine entscheidenden Kriterien“. Wenn die nicht erfüllt würden, müsse man gehen. Zu einer Trennung im Guten sei es aber bei allen Vereinen gekommen.

Heiko Herrlich holte ihn

Durchsetzungsvermögen und Teamfähigkeit lernte Eugen Schiffmann in den Jugendmannschaften bei Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund. In Königstein aufgewachsen, hatte er auch in der Taunus-Stadt mit Fußball begonnen. In jungen Jahren, als C-Jugendlicher, holte ihn die Eintracht nach Frankfurt. Heiko Herrlich, heute Trainer von Bayer Leverkusen, damals für den Dortmunder Nachwuchs zuständig, lotste ihn zur Borussia. Mit Marcel Schmelzer und Nuri Sahin spielte Schiffmann in einem Team, in der Saison 2007/08 war das.

Das erste Länderspiel ließ nicht lange auf sich warten: Fürs U-16-Nationalteam lief er gegen die Schweiz auf. „So etwas vergisst man nie“, schwärmt er heute noch. Acht weitere Länderspiele folgten. Mit mehreren Auswahlmannschaften des DFB habe er schon als junger Mensch viel von der Welt gesehen. Dafür ist Schiffmann dankbar. Mit der Studenten-Nationalmannschaft ging’s dann noch nach Südamerika. Der Höhepunkt: ein Spiel gegen die Nationalelf von Honduras.

Förderer und Beziehungen

Warum eigentlich hat es nicht zu einer Profi-Karriere gereicht? Die Frage drängt sich geradezu auf. „Ich war wahrscheinlich nie zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt Schiffmann. Mal waren zu viele Linksfüße im Team (BVB), mal wechselte der Trainer (SV Wehen-Wiesbaden). Er sagt: „Im Endeffekt fehlt da oft nur das Quäntchen Glück. Es gibt so viele Talente, die Profi werden wollen. Am Ende sind es nur ganz wenige, die es wirklich schaffen. In Auswahlmannschaften wurde meine Leistung immer honoriert, aber leider nicht auf Vereinsebene.“ Vielleicht fehlte auch ein echter Förderer. Oder bessere Beziehungen. Die seien in diesem Geschäft echt wichtig, sagt er selbst.

Schiffmanns Plan A war immer, Fußballprofi zu werden. Aber Plan B, den der 29-Jährige gerade durchführt, klingt auch nicht schlecht: Er will dem Sport – wenn möglich dem Fußball – verbunden bleiben. Den Bachelor als Sportwissenschaftler hat er schon in der Tasche. Den Master für Sport-Management hängt er gerade dran.

Das alles lässt sich gut mit Verbandsliga-Fußball vereinbaren. Seinen „Hessenliga-Abstieg“ hatte er sich reiflich überlegt: „Ich habe keine langen Fahrten, die Trainingszeiten sind gut mit dem Studium zu vereinbaren. Außerdem herrscht beim TSV eine angenehme familiäre Atmosphäre, und nicht zuletzt war Trainer Enis Dzihic damals ein Grund für meinen Wechsel.“

Mit seinem Amateurvertrag hat Schiffmann auch eine soziale Absicherung. Wie wichtig die ist, sieht man gerade. Die Perspektiven seines Teams wagt der gebürtige Kasache noch nicht konkret zu benennen. „Wir haben viele neue, meist junge Spieler. Wohin der Weg geht, wird sich zeigen. Unser Trainer Jörg Loutchan ist sehr engagiert dabei, aus uns eine echte Einheit zu bilden.“ Bis Eugen Schiffmann wieder Teil dieser Einheit ist, wird es dauern. Heute um 20 Uhr, wenn Vatan gegen Eintracht Wald-Michelbach im Sportzentrum Nord-West um Punkte kämpft, ist er erstmals zum Zuschauen verdammt.

Zur Startseite Mehr aus Hochtaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse