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Irgendwann ist die Grenze erreicht: Immer mehr Sportlern mutet man ein Übertreten der Belastungsschwelle zu

Immer höher, weiter, schneller und besser – in so ziemlich jeder Sportart haben sich die für möglich gehaltenen Grenzen Stück für Stück verschoben. Sportler gehen an ihre Grenzen und oftmals auch darüber hinaus – ist das noch gesund?
Unabdinglich: Siebenkämpferin Claudia Rath (LG Eintracht Frankfurt) gönnt sich eine kurze Erfrischungspause. Bilder > Foto: Jens Priedemuth Unabdinglich: Siebenkämpferin Claudia Rath (LG Eintracht Frankfurt) gönnt sich eine kurze Erfrischungspause.
Hochtaunus. 

Im Rahmen der Hessischen Meisterschaften hatte Tischtennis-Talent Dominik Scheja eine echte Herkules-Aufgabe zu bewältigen: Wie die Taunus Zeitung berichtete, trug der Mannschaftskapitän des Zweitbundesligisten TTC OE Bad Homburg von 14 Uhr an insgesamt 49 (!) Gewinnsätze aus. Mehr als fünf Stunden am Stück stand Scheja an der Platte.

Am Ende musste er, von Krämpfen geplagt, sowohl das Finale im Doppel als auch das Endspiel im Einzel aufgeben und konnte die Halle nur an Krücken verlassen. Statt zur Siegerehrung ging es ins Krankenhaus. Diagnose: ein leichter Muskelfaserriss. „Das ist sehr unglücklich gelaufen“, sagt TTC-OE-Manager Jo Herrmann, „fast 50 Sätze am Stück mit jeweils fünf Minuten Pause zwischen den Spielen gehen einfach nicht spurlos an einem Spieler vorüber.“

In diesem Kontext wirkt die Entscheidung des Hessischen Tischtennisverbandes (HTTV), das Turnier an nur einem statt der gewohnten zwei Tage ausspielen zu lassen, natürlich unglücklich.

„Ganz schön heftig“

Eine vergleichbar intensive Erfahrung machte die Junioren-Nationalmannschaft der Handballer bei den Mittelmeerspielen in Frankreich. Ehe sich die U17 des Deutschen Handballverbandes, für die auch der für den TV Hüttenberg spielende Wehrheimer Merlin Fuß nominiert wurde, den Titel schnappte, waren innerhalb von sechs Tagen gleich sieben Partien zu absolvieren.

„Das ist schon ganz schön heftig“, sagt Tobias Weyrauch vom Hessischen Handball-Verband (HHV), „zumal die Belastung im Handball grundsätzlich höher ist als etwa beim Fußball.“ In Hessen ist die Ligastärke auf maximal 14 Teilnehmer begrenzt, zwischen September und Mai ergeben sich somit 26 Spieltage bei einer Partie pro Woche. „Das halte ich für vertretbar, zumal auch noch eine kleine Weihnachtspause eingelegt wird“, so Weyrauch, „Beschwerden gibt es seitens der Vereine und Spieler jedenfalls nicht.“

Auch eine englische Woche, also ein Spiel unter der Woche sowie jeweils eine Partie am vorherigen und nachfolgenden Wochenende, sei bei genügend Regenerationszeit zwischen den Begegnungen denkbar. „Ein Spielplan mit Spielen am Freitag sowie Sonntag, wie es sie beim Basketball oder im Eishockey gibt, finde ich persönlich dagegen nicht sinnvoll“, erklärt Weyrauch.

Zu viel Training

Wenn es um die Belastbarkeit eines Sportlers und die Beanspruchung während eines Wettbewerbes geht, dann ist auch die Sportart entscheidend, wie Matthias Sauer zu bedenken gibt. „Beim Fußball kann man in der Regel von 90 Minuten ausgehen und auch eine Etappe im Radsport wird nicht plötzlich 30 Kilometer länger“, erklärt der Physiotherapeut, „doch im Tennis oder Tischtennis weiß man im Vorfeld häufig gar nicht, wie lange ein Match denn schließlich dauern wird. Dementsprechend ist es auch schwer zu planen.“

Unabhängig davon würden Sportler, die nicht mit einem erfahrenen Übungsleiter zusammen trainieren, häufig den Fehler begehen, vor einem Wettkampf zu viel zu trainieren. „Es werden dann vor einem Wettkampf noch Extra-Einheiten eingelegt. Stattdessen sollte man aber die Trainingsintensität anpassen und eher zurückfahren“, so Sauer.

So geschieht es etwa in der Leichtathletik, wie Carsten Ebert vom Hessischen Leichtathletik-Verband ergänzend anmerkt. „Die Belastung wird durch das Training gesteuert“, sagt er, „dafür gibt es die Jahresplanung.“ Schon zu Beginn eines Sportjahres werden so wichtige Turniere vermerkt und die Übungseinheiten darum entsprechend dosiert.

Vier Kilometer mehr

Die Belastungssteuerung und Verletzungsprophylaxe liege daher in der Verantwortung der Sportler selbst. Matthias Sauer sieht dennoch ein Problem aufseiten der Sportfunktionäre. „In fast jeder Sportart haben das Leistungsniveau und die Wettkampfintensität in den vergangenen Jahren zugenommen“, erklärt er, „ein Fußballer ist vor 20 Jahren im Schnitt vielleicht acht Kilometer pro Spiel gelaufen. Heute sind es dagegen zwölf Kilometer und mehr. Ich glaube, dass dies manchen Offiziellen gar nicht bewusst ist.“

Risiken minimieren

Alle Befragten sind sich jedenfalls einig, dass es in jeder Sportart immer auch ein Verletzungsrisiko gibt. Auf den Punkt gebracht: Keine Sportart wird ohne Verletzungswahrscheinlichkeit betrieben. „Man kann diese nur minimieren“, mahnt Carsten Ebert an, „und es liegt dabei auch immer im Interesse der jeweiligen Verbände, die Sportler bei bestmöglicher Gesundheit zu halten.“

Im Fall Dominik Scheja kamen mehrere unglückliche Faktoren zusammen. Zum einen die Verkürzung des Turnierplans, die auf Anfrage von Turnierteilnehmern vom Leistungssportausschuss des Hessischen Tischtennis-Verbandes (HTTV) genehmigt wurde. Zum anderen hatte Scheja einige überraschend enge Partien, die zusätzliche Gewinnsätze mit sich brachten, zu absolvieren.

„Dass einer der top gesetzten Spieler schon früh 4:3 spielt, war so sicherlich nicht abzusehen“, sagt HTTV-Präsident Andreas Hain, „zudem hätte er vielleicht zugunsten des Einzelwettkampfes auf das Doppel verzichten können oder müssen.“ Diese Überlegung zieht Dominik Scheja für die nächsten Hessischen Meisterschaften nach eigener Aussage in Betracht. Auch diese werden übrigens voraussichtlich wieder an nur einem einzigen Tag ausgespielt.

„Wir haben aber bereits darüber gesprochen, dass wir die Sätze in den Vorrundenspielen und möglicherweise auch in der ersten Hauptrunde reduzieren“, so Hain. Ein Kompromiss, der für beide Seiten funktionieren könnte. „Schließlich kann es nicht im Interesse des Verbandes sein, dass sich am Ende eines solchen Turnieres zwei erschöpfte Spieler im Finale gegenüberstehen, oder?“, sagt Scheja.

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