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Kicker kritisieren Mammut-WM: Meinungen aus dem Hochtaunus: „Es geht doch nur ums liebe Geld“

Von Fifa-Präsident Gianni Infantino rennt mit seiner gestern besiegelten Mega-WM 2026 bei heimischen Fußballern keine offenen Türen ein. Vielmehr dürfte bei den meisten das Interesse sinken.
So bunt sah es bei der Eröffnungsfeier der Fußball-WM 2006 in München aus. 2026 wird’s mit mehr Flaggen noch farbenfroher zugehen. Foto: Olivier Matthys (EPA) So bunt sah es bei der Eröffnungsfeier der Fußball-WM 2006 in München aus. 2026 wird’s mit mehr Flaggen noch farbenfroher zugehen.
Hochtaunus. 

Der Fifa-Rat hat es gestern Vormittag auf seiner Sitzung in Zürich beschlossen und verkündet: Bei der WM 2026, deren Austragungsort noch nicht feststeht (die USA gilt als Favorit), werden erstmals 48 statt 32 Mannschaften spielen – mit 16 Dreiergruppen in der Vorrunde. Der DFB hatte sich klar gegen die Aufstockung ausgesprochen. Im Gespräch ist zudem, dass bei einem Unentschieden nach 90 Minuten ein Elfmeterschießen kommt. Wie wird die Aufstockung angenommen? Wir hörten uns bei heimischen Fußballern um.

Heiko Ullmann (25, Spieler des FC Mammolshain): „Da teile ich die Meinung, die bei den DFB-Funktionären vorherrscht: 48 Mannschaften sind zu viel. Für die kleinen Nationen mag die Erweiterung schön sein – aber für das Gesamtpaket WM ist die Entscheidung schlecht. Es werden viele Spiele laufen, die a) nicht interessant sind, und b) bei denen man von vornherein weiß, wie sie ausgehen. 48 WM-Teilnehmer blähen das Ganze einfach nur künstlich auf.“

Till Sommerfeld (33, Sportlicher Leiter beim 1. FC-TSG Königstein): „Ich bin kein Freund von dieser Erweiterung. 16 Mannschaften mehr als bisher sorgen aus meiner Sicht für eine Verwässerung der Qualität. Schon bei den bisherigen WMs herrschte ein großes Leistungsgefälle. Das wird 2026 noch größer – wie auch die Anzahl der unattraktiven Spiele. Die Profis müssen ohnehin schon viel leisten und müssten dann noch häufiger spielen. Angeblich soll die Vergrößerung der WM den kleinen Fußballländern helfen – bei der FIFA drängt sich mir jedoch erst einmal der monetäre Gedanke auf.“

Patrick Bussian (24, spielt im zweiten Jahr für den FSV Friedrichsdorf): „Aus sportlicher Sicht finde ich die Aufstockung uninteressant. Ich werde mir als Fernsehzuschauer künftig ganz gezielt einige wenige Spiele herauspicken. Wer will denn schon in der Vorrunde Liechtenstein gegen Nordkorea schauen? Ich nicht. Es geht bei dieser Aufblähung auf 48 Mannschaften doch nur um eins – ums liebe Geld. Natürlich könnte man auf den ersten Blick meinen, profitieren von der neuen Teilnehmerzahl die kleineren Nationen. Das stimmt aber nicht: Es wäre haargenau dasselbe, wenn der FSV Friedrichsdorf im Pokal beim FC Bayern München antreten müsste. Da weißt du doch schon im Vorfeld, dass es eine schöne Klatsche gibt. Solche Spiele mit ähnlichem Leistungsabstand wird es dann auch bei der WM geben – und die helfen den so genannten Kleinen auch nicht.“

Farhan Razai (35, in der neunten Saison bei TuS Merzhausen): „Die Aufstockung ist eine Katastrophe. Damit wird der Fußball wieder ein weiteres Stückchen uninteressanter, wie es damals bei der Einführung der Dritten Liga in Deutschland der Fall war. 48 Mannschaften sind definitiv zu viel – selbst für Leute, die Spaß am Fußball haben. Dass angeblich die kleineren Fußballnationen von der Neuerung profitieren, halte ich für einen Witz. Ich komme aus Afghanistan. Man stelle sich nur mal vor, Afghanistan würde bei der WM dabei sein und in der Vorrunde mit Brasilien und Spanien eine jener 16 Dreiergruppen bilden. Da gäbe es wohl in beiden Spielen zehn, zwölf Gegentore – was für die Entwicklung des Fußballs in unserem Land schädlich wäre. Zugleich werden durch die Aufstockung alle Torjäger-Statistiken der Vergangenheit ad absurdum geführt.“

Andrews Sarfo (35, im sechsten Jahr bei der SG Ober-Erlenbach): „Gerade in der Vorrunde wird es viele uninteressante Spiele bei einer solchen Mega-WM geben. Für die kleinen Nationen freut’s mich, dass sie eine Chance bekommen. Wenn ich alleine an Afrika denke: Von 54 Ländern können sich bislang nur fünf qualifizieren. In Ghana, wo ich sechs Jahre meines Lebens verbracht habe, misst man der Aufstockung auf 48 keine große Bedeutung bei. Ghana ist eins der stärksten Länder Afrikas und hat – ob 32 oder 48 WM-Teams – immer gute Quali-Chancen. Allerdings: In meinen Augen geht es mehr und mehr zulasten der Spieler. Viele Spieler kommen schon kaputt zur WM und können keine Höchstleistungen abliefern – die der Fernsehzuschauer aber erwartet. Da können einem die Spieler leidtun.“

Maiwand Djamshedzad (22, seit 2016 bei Ay-Yildizbahce Usingen): „Das hatte ich mir schon gedacht, dass die Aufstockung kommt. Ich sehe das Ganze von zwei Seiten. Die Erholungsphase der Spieler zwischen den Partien wird durch die vielen Mannschaften noch kürzer, als sie ohnehin schon ist – das ist nicht gut. Was ich aber ganz cool finde: Jetzt können sich mal Mannschaften qualifizieren, die in der Vergangenheit keine Chance hatten. Meine Eltern kommen aus Afghanistan. Dort wird der neue Modus bestimmt begrüßt. 48 Mannschaften finde ich nicht so tragisch – wenn’s denn nicht bei jeder WM ab 2026 so viele sein werden. Dass eventuell bei unentschiedenem Spielausgang ein Elfmeterschießen kommt, finde ich schlecht. Elfmeterschießen hat nichts mit Können zu tun, sondern ist reine Glückssache.“

Christian Füssel (29, seit zwei Jahren Fußballer bei Vatanspor Bad Homburg): „ 48 Teams – finde ich gar nicht gut. Weil es viele Mannschaften geben wird, die bei einer WM nix zu suchen haben. Ob Champions League oder Weltmeisterschaft: Beide Wettbewerbe sind dazu da, dass die besten Teams spielen. Künftig wird das Niveau bei WMs nicht mehr so hoch sein wie bisher. Weil viel zu viele ,No-Name-Mannschaften‘ mitspielen. Der TV-Zuschauer ärgert sich über das sinkende Niveau und der Spieler über die immer höher werdende Belastung. Meiner Meinung nach ist das alles nur Geldmacherei.“

Victor Radu (29, Winter-Neuzugang der SpVgg Bad Homburg): „48 Mannschaften? Wer soll sich denn diese vielen Spiele anschauen können? Ich zum Beispiel kann durch meinen Beruf schon bei 32 Teams nur einen Teil der Spiele verfolgen. 48 sind in jedem Fall zu viel. Es ist doch klar, wie die FIFA denkt: mehr Spiele, mehr Einnahmen. So läuft es doch. Wie in meinem Heimatland Rumänien über die Aufstockung gedacht wird? Ziemlich neutral. Für Mannschaften, die aber echte Chancen aufs Erreichen des Endspiels haben, wird es allerdings ein ganz schöner Schlauch.“

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