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Sturm: Meteorologe: Bei Orkan "Friederike" haben die Behörden versagt

Von Eine Schule im Kreis Limburg-Weilburg will die Kinder vor dem Orkan "Friederike" in Sicherheit bringen und beendet früher den Unterricht. Doch es ist bereits zu spät. Der Schulbus wird von einem umstürzenden Baum getroffen. Zum Glück ist nichts passiert. Aber es hätte auch anders kommen können.
Bilder > Foto: wetter.net
Wiesbaden. 

Eine Szene wie aus einem Katastrophenfilm: Der Schulbus, der die Kinder aufgrund eines schweren Orkans sicher nach Hause bringen soll, wird von einem umstürzenden Baum getroffen. So geschehen am Donnerstagmittag in Weilburg, als der stärkste Sturm seit elf Jahren über Deutschland und große Teile Hessens zog. „Die haben die Kinder in den Sturm geschickt“, sagt Meteorologe Dominik Jung. "Es war schlichtweg Glück, dass dabei niemand verletzt wurde."

Vorwürfe an den Deutschen Wetterdienst

Um kurz nach neun Uhr morgens habe die Leitung der Windhofschule entschieden, den Unterricht an diesem Tag vorzeitig zu beenden, erklärt Dirk Fredl, Pressesprecher des Staatlichen Schulamtes für den Lahn-Dill-Kreis und Limburg-Weilburg. Doch es dauerte Stunden, bis alle Eltern informiert waren und die  benötigten Busse bereitgestellt waren - erst um 12 Uhr konnte der Transport beginnen. „Aus Sicht der Schulleitung noch rechtzeitig, um die Schüler sicher nach Hause transportieren zu können“, so Fredl auf Nachfrage unserer Zeitung. Eine Fehleinschätzung findet Meteorologe Jung. Und tatsächlich: Um die Mittagszeit blies der Wind bereits mit Spitzenwerten von 105 Kilometern in der Stunde über Weilburg. Das ist Orkanstärke. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) besteht bei solchen Windstärken Lebensgefahr.

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Einen Vorwurf macht Wetterexperte Jung der Schule allerdings nicht. Für einen Laien seien Wettersituationen natürlich schwierig einzuschätzen. Deshalb sieht er die Verantwortung vor allem bei den Behörden. Für ihn ist die Hochstufung von einem normalen Wintersturm zu einem Orkan zu spät erfolgt, nämlich erst am Donnerstag, als er bereits über das Land zog. Überhaupt habe der Deutsche Wetterdienst (DWD) erst am Mittwochmorgen eine Sturmwarnung ausgegeben. Dadurch hätten die Schulen keine Zeit gehabt, adäquat zu reagieren, findet Jung.  

Die Entscheidung, ob der Schulbetrieb aufgrund von Sturm, Glatteis oder auch Gewitter abgebrochen werden muss, liegt in der Regel bei der Schulleitung. Eine zentrale Entscheidung durch Schulträger oder Schulaufsicht erfolgt in den Fällen, in denen die Bedingungen für alle Schulen identisch sind, erklärt Pressesprecher Fredl. Das war an dem Donnerstag zum Beispiel im angrenzenden Land-Dill-Kreis der Fall. Dort wurden sämtliche Schultransporte eingestellt – so auch der Schulbetrieb.

Schwere Entscheidung

Weil der Kreis Limburg-Weilburg flächenmäßig so groß ist, sei eine pauschale Entscheidung schwierig. Hinzu käme, dass die Betreuung der Kinder in solchen Fällen gewährleistet sein muss, so Fredl. „Da sich die Windverhältnisse im Landkreis unterschiedlich gestaltet hatten und unter der Warnstufe rot geblieben sind, gab es keine Veranlassung für den Landkreis, eine zentrale Entscheidung für den gesamten Schulbusverkehr zu treffen.“

Kommentare zu "Friederike" auf Twitter

Aufgrund dieser geografischen Herausforderungen sei es um so wichtiger, frühzeitig zu warnen, sagt Dominik Jung. Dies habe der DWD, zumindest in der notwendigen Deutlichkeit, nicht getan. Dem widerspricht der Wetterdienst. „Wir haben bereits seit Anfang der Woche darauf hingewiesen, dass sich der Sturm zu einem Orkan weiterentwickeln könnte“, sagt Andreas Friedrich, Pressesprecher beim DWD. Was Behörden mit diesen Informationen machen würden, sei nicht Aufgabe des DWD.

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