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Demonstration: Rettungskräfte beklagen Gewalt und fordern: "Hände weg!"

Sie werden angepöbelt, behindert, bespuckt, mit dem Handy gefilmt und sogar verletzt. Wenn Sanitäter und Feuerwehrleute zu Einsätzen gerufen werden, müssen sie immer öfter mit Gewalt rechnen.
Ein Feuerwehrmann setzt sich auf der Demo lautstark für sein Anliegen ein. Rettungskräfte demonstrieren in der Banken-Metropole für mehr Respekt und gegen Gewalt bei ihren Einsätzen. Foto: Andreas Arnold (dpa) Ein Feuerwehrmann setzt sich auf der Demo lautstark für sein Anliegen ein. Rettungskräfte demonstrieren in der Banken-Metropole für mehr Respekt und gegen Gewalt bei ihren Einsätzen.
Frankfurt. 

Einsatzkräfte von Rettungsdiensten und Feuerwehr haben in Frankfurt am Main für mehr Respekt und gegen Angriffe auf Retter während des Einsatzes demonstriert. Sie forderten am Samstag, Sanitäter und Feuerwehrleute, aber auch verletzte und hilfebedürftige Menschen zu respektieren und nicht zu behindern oder gar anzugreifen. In den letzten drei bis vier Jahren habe die Rücksichtslosigkeit und Gewaltbereitschaft gegenüber Rettungskräften spürbar zugenommen, sagte Arno Dick, Fachgruppenleiter Feuerwehr bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Bei strahlendem Sonnenschein und eisigen Temperaturen waren rund 250 Menschen in die Innenstadt gekommen, um Gesellschaft und Politik für das Thema zu sensibilisieren. Die Demonstration stand unter dem Motto «Hände weg! Wir sind Eure Retter!». Pöbeleien und Übergriffe auf Retter seien zwar nicht neu und ein bundesweites Problem, sagte Erik Brumm, Organisator der Demonstration und selbst Feuerwehrmann. Die Krawalle rund um die Eröffnung der Europäischen Zentralbank vor rund zwei Jahren seien in Hessen aber eine Art Wendepunkt gewesen: «Da waren wir plötzlich im Fokus der Aggressivität und wurden mit Pflastersteinen beworfen. Sowas war uns vorher noch nie passiert.»

Die Teilnehmer berichteten von zunehmender Gewaltbereitschaft, immer niedrigeren Hemmschwellen und mangelndem Respekt gegenüber den Helfern. «Die verbalen Angriffe kann ich kaum noch zählen, die sind an der Tagesordnung», erzählte Rettungsassistentin Kira Farnung, die auch schon physische Gewalt erleben musste. Einmal habe ein vermeintlich schlafender Patient ihrer Kollegin mit der Faust ins Gesicht geschlagen. «Mich selbst verletzte er am Oberkörper», erinnerte sich die 25-Jährige. Ihr Beruf mache ihr dennoch Spaß, denn es gebe auch viele gute Momente. Vielleicht müsse die Bevölkerung mehr darüber aufgeklärt werden, wie Rettungseinsätze abliefen.

Mario Müller, Feuerwehrmann bei der Frankfurter Flughafenfeuerwehr sowie bei der freiwilligen Feuerwehr Neu-Isenburg, ist bislang von körperlicher Gewalt verschont geblieben. Er beklagte sich bei der Demonstration über Gaffer und Menschen, die Einsätze behindern: «Die Leute wollen dichter dran sein als die Einsatzkräfte selbst. Das hat sehr stark zugenommen.» Bevor der Notruf gewählt werde, zückten viele erst mal das Handy. «Schaulustige rücken einem richtig auf die Pelle. Man guckt nur noch in Handys. Persönlichkeitsrechte, auch von Verletzten, gelten gar nichts mehr.»

Auf Volksfesten sei er mit seinen Kollegen seit einigen Jahren nur noch in Gruppen unterwegs, berichtete Sanitäter Johannes Radde vom Deutschen Roten Kreuz aus Hanau. «Das ist zu unserer eigenen Sicherheit. Wir müssen uns den Weg freibahnen, sonst werden wir gar nicht durchgelassen.» Abends und nachts würden sie meist noch von Sicherheitsleuten begleitet. Raddes Kollege Manuel Bauer ergänzte: «Es ist schade, dass viele nicht mehr normal trinken können. Heutzutage zetteln die Leute gleich eine Schlägerei an, stellen sich uns in den Weg oder gehen einfach durch Absperrungen.»

Bundesweite Statistiken dazu, wie viele Rettungskräfte bei Einsätzen schon angegriffen wurden, gebe es nicht, erklärte Arno Dick. «Wir gehen aber von 75 Prozent aus, eher mehr.» Sicher sei, dass die Hemmschwelle zu Angriffen bei vielen Menschen sinke und dies die Retter zusätzlich unter Stress setze. Schulungen zum Umgang mit solchen Situationen seien im laufenden Betrieb wegen der engen Personaldecke kaum möglich.

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