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Große Finanzsorgen in Hessens Tierheimen: Trotz Geldnot Tieren helfen

Die Arbeit in Tierheimen ist etwas für Idealisten. Im südhessischen Weiterstadt etwa gibt ein Verein Vierbeinern ein Gnadenbrot. Nun haben die Tierfreunde dort auch noch ein Tierheim aufgemacht – und sehen sich mit Problemen konfrontiert.
Tierhilfeverein "Keller-Ranch" Foto: Boris Roessler (dpa) Wartet auf einen neuen Besitzer: Eine junge Katze auf der „Keller-Ranch“ bei Weiterstadt in ihrem Gehege. Der Tierhilfeverein kümmert sich um in Not geratene Tiere.
Weiterstadt. 

Wer zum Tierhilfeverein Kellerranch nach Weiterstadt kommt, dem rennen zur Begrüßung gleich mehrere Hunde entgegen. Hier bekommen rund 300 Tiere ihr Gnadenbrot, darunter etwa die Paviane Pat und Amy, der Nasenbär Olaf, Pferde, Esel, Stinktiere, Schwäne, Kaninchen. Manches Tier sei völlig verwahrlost gewesen, als es ankam, erzählt der Vorsitzende Karl-Heinz Keller: „Ein Esel war so abgemagert, dass er nicht mehr stehen konnte.“ Seit neuestem gibt es hier auch ein Tierheim mit Platz für fast 60 Hunde, Katzen, Kleintiere, Vögel und Papageien.

Beim Gang übers Gelände berichtet Keller, er könne sich aus Erfahrung häufig schon darauf vorbereiten, welche Tierarten leichtfertig gekauft und dann schnell wieder abgegeben werden. „Was gerade im Fernsehen „in“ ist, kommt bald in Tierheime“, erzählt er. „Tierheime wissen gar nicht mehr, wohin damit.“ Halter kämen etwa auch ins Altenheim, dann müssten ihre Tiere plötzlich woanders hin.

Nichts Erspartes

Keller und seine Mitstreiter wissen, was Tiere an Platz, Futter und Impfungen brauchen und was somit auf das Tierheim zukommen wird: Geldsorgen.

Rund 9000 Euro kommen zwar als Jahrespauschale von der Kommune Weiterstadt. „Wir haben aber nichts Erspartes“, sagt Kellerranch-Sprecherin Ingrid Günkel. „Wir haben einen Puffer von nur 2000 bis 3000 Euro. Da darf nichts passieren.“ Die Unterstützung der Stadt hält Günkel für zu niedrig: „Nur etwa 37 Cent pro Einwohner.“

Deutlich zu niedrig

Auch andere Tierheime halten die Pauschalbeträge für deutlich zu niedrig. So könnte beispielsweise das Tierheim in Frankfurt mehr Geld gebrauchen, das Tierheim Darmstadt blickt pessimistisch in die Zukunft. Keller aus Weiterstadt sagt: Wenn Geld fehlt, „stehen wir privat parat“. Es bleibe sonst ja nichts anderes übrig. Renate Wegert vom Landestierschutzverband Hessen beschreibt ihn als einen, der ganz stark motiviert sei, Geld heranzuschaffen.

Der Deutsche Tierschutzbund sieht die Finanzlage vieler Tierheime in Hessen deshalb mit Sorge. Die Kosten seien höher als die Einnahmen, die sich aus Spenden und Geld von Kommunen speisten. Der finanzielle Aufwand, den Tiere in Heimen laut Verband einschließlich der Kosten für Personal, Tierärzte, Futter, Strom und Heizung pro Tag verursachen, variiert den Angaben zufolge je nach Art.

Auch Weiterstadts Bürgermeister Ralf Möller (SPD) bescheinigt den Tierschützern am Rande der Stadt hohes Engagement. Der Gnadenhof sei „ein Aushängeschild für Weiterstadt“. Dass 9000 Euro zu wenig Unterstützung seien, will der Bürgermeister aber nicht gelten lassen.

Das sei bisher an das Tierheim Darmstadt gezahlt worden, das bis zum Start des Heims von Keller und Co. auch für Weiterstadt mit seinen 25 000 Einwohnern zuständig gewesen war. „Wir waren sehr zufrieden mit Darmstadt“, sagte Möller. Aber das Heim in Weiterstadt sei näher.

Neue Kundschaft

Und während Sprecherin Günkel weiter von Finanzsorgen berichtet, kommt neue Kundschaft: Ein Dobermann. Der Rüde stammt aus Fürth im Odenwald. Eigentlich hätte das Tier ins Tierheim Heppenheim gemusst - aber dort ist die hochansteckende Krankheit Parvovirose ausgebrochen. Das bedeutet: Aufnahmestopp. Der Halterin war „Rex“ eine Nummer zu groß – und so landet auch dieses Tier in Weiterstadt. „Die Besitzerin schien uns mit dem Tier sehr überfordert zu sein“, sagt Günkel.

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