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Fall Susanna: Was wir wissen - und was nicht

Der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft, das Mordopfer Susanna ist inzwischen beigesetzt. Aber viele Umstände der Tat sind noch ungeklärt - und auch zu den Ermittlungen gibt es offene Fragen.
Foto: Boris Roessler (dpa)
Frankfurt. 

An diesem Donnerstag (14.6.) ist es eine Woche her, dass die Ermittler in Wiesbaden über das Verbrechen an der 14-jährigen Susanna informierten. Seither ist einiges passiert - der Tatverdächtige Ali B. sitzt nach seiner Flucht in den Irak inzwischen in einem deutschen Gefängnis in Frankfurt in Untersuchungshaft. Noch immer sind aber einige Fragen in dem Fall offen.

Fall Susanna: Was wir wissen

Die Tat

Susanna aus Mainz starb am noch am Abend ihres Verschwindens (22.5.) oder in der folgenden Nacht. Ali B. hat vor dem Ermittlungsrichter gestanden, die Jugendliche getötet zu haben. Er bestreitet aber die Vergewaltigung. Inzwischen ist Susanna in ihrer Heimatstadt auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt worden.

Alter und Name des Verdächtigen

Die Staatsanwaltschaft hat bislang keine Hinweise darauf, dass Ali B. bewusst falsche Angaben bei seinem Asylantrag gemacht hat - es gab wohl eher viele Missverständnisse. Ali B. und seine Familie hatten Kopien ihrer irakischen Identitätskarten - ähnlich deutscher Personalausweise - dabei. Beim Übertragen des Geburtsdatums in den Asylantrag ist wohl ein Zahlendreher passiert - 3.11.1997 statt 11.3.1997. Da Ali B. nur sehr schlecht deutsch spricht, geht die Staatsanwaltschaft von einem Missverständnis aus. Hinzu kommt: In den USA und anderen Staaten ist die korrekte Reihenfolge bei der Angabe von Personendaten nicht Tag, Monat, Jahr sonder Monat, Tag, Jahr.

Ein nur um wenige Monate jüngeres Alter hätte ihm zum damaligen Zeitpunkt auch keine Vorteile gebracht. Auch beim Namen vermuten die Ermittler keine Absicht: Statt aller vier Namensbestandteile habe er in Deutschland nur zwei davon angegeben: Seinen Vornamen und den Namen seines Vaters.

Ausweisdokumente der Familie

Die Kopien ihrer Identitätskarten hat die Familie selbst dort vor ihrer Ausreise von Deutschland über die Türkei in den Nordirak abgegeben, als sie ihre Laissez-passer-Papiere zur Ausreise beantragten. Diese Papiere, mit denen sie dann in den Irak geflüchtet sind, soll das Konsulat auch offiziell ausgestellt haben. Sie sind also keine Fälschung.

Fall Susanna: Was wir nicht wissen

Rückholaktion von Ali B.

Die deutschen Behörden sprechen von einer Abschiebung seitens der kurdischen Behörden im Nordirak. Übergeben worden sei Ali B. erst am Frankfurter Flughafen. Unumstritten ist die Aktion nicht. Die irakische Zentralregierung in Bagdad spricht von einem Rechtsverstoß. Klar ist: Es gibt kein Auslieferungsabkommen zwischen Irak und Deutschland, was den Fall und die Verhandlungen darüber womöglich kompliziert gemacht hätten. Unklar ist, wie deutsche Richter diese Rückholaktion später bewerten und ob dies womöglich Folgen für den Strafprozess hat.

Termin für einen Prozess

Dieser ist nach Aussage der Staatsanwaltschaft Wiesbaden noch überhaupt nicht absehbar. Die Ermittlungen laufen ja noch auf Hochtouren. Ali B. hat inzwischen einen Pflichtverteidiger zugewiesen bekommen und bisher auf einen eigenen Wahlanwalt verzichtet. Da der Verdächtige in Untersuchungshaft sitzt, könnte es schneller gehen als bei anderen Verfahren.

Zweiter Tatverdächtiger

Ein zweiter Verdächtiger, ein 35-jähriger türkischer Flüchtling, kam nach seiner Festnahme wieder auf freien Fuß. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist er damit aber noch nicht von den Vorwürfen entlastet. Was er konkret getan haben soll und was mit ihm passiert, ist noch unklar.

Vergewaltigung einer Elfjährigen

Im Zusammenhang mit der Tat fiel der Name Ali. Es ist aber unklar, ob der Tatverdächtige im Fall Susanna damit etwas zu tun hat. Die Polizei hat inzwischen die Angabe korrigiert, es handele sich bei dem mutmaßlichen Opfer um ein Flüchtlingsmädchen. Vielmehr sei es eine Deutsche.

Mögliche Versäumnisse der Polizei

Dafür hat die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben bisher keine Anhaltspunkte. Es habe bei der Ermittlungsarbeit in Wiesbaden nach bisherigen Erkenntnissen überhaupt keine Versäumnisse gegeben, sagte Oberstaatsanwältin Christina Gräf. Bis zum ersten Hinweis einer Bekannten von Susanna am 29.5 an die Mutter, dass Susanna tot sei, war es ein reiner Vermisstenfall. Dieser wurde von der Polizei in Mainz ermittelt, nach dem Hinweis übernahm die Polizei in Wiesbaden. Da ging es dann um den Verdacht eines Tötungsdelikts. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei «durchgängig, mit sehr hohem Polizeiaufgebot gesucht worden».

dpa

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