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Nahverkehr: Zerstörungswut an der S-Bahn

Von Mit Spraydosen auf Züge aufgesprühte Schriftzüge sind Sachbeschädigung. Die Beseitigung von Graffiti auf Bussen und Bahnen verursacht hohe Kosten. Und es gibt Fälle, in denen die Täter einfach nur zerstören wollen.
Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Viele S-Bahnen, wie diese hier an der Frankfurter Hauptwache, sind mit Graffiti besprüht.
Frankfurt. 

„Taggen“ sagt man in der Szene, wenn ein Graffiti-Sprayer sein Pseudonym in bunten Farben auf einer Hauswand, einem Bahnwaggon oder einem Brückenpfeiler hinterlässt. Tag für Tag müssen die Züge von S- und U-Bahn sowie Straßenbahnen von eben jenen „Tags“ gereinigt werden. Und das geht richtig ins Geld. Die Deutsche Bahn als Betreiber der S-Bahnen innerhalb des RMV und die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), die im Stadtgebiet Frankfurt die U-Bahnen und Straßenbahnen auf die Gleise schickt, geben pro Jahr hunderttausende Euro für die Beseitigung der Graffitis aus.

Gesprüht wird auch legal – bei der „Street ...

Seit jeher ist die ursprüngliche Form des Graffitis illegal. Die Wurzeln liegen in New York, wo Gangs mit den farbigen Tags aus Spraydosen ihre Reviere markiert haben.

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„Pro Jahr haben wir zwischen 250 und 300 Graffiti-Schäden an unseren S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet“, teilte dazu eine DB-Sprecherin auf Anfrage mit. Eine speziell auf die Region bezogene Schadenshöhe kann der Konzern nicht beziffern. Bundesweit summiert die DB aber die Kosten für die Graffitibeseitigung mit zuletzt 8,6 Millionen Euro pro Jahr.

„Hinzu kommt weiterer Vandalismus in den S-Bahnen wie zerkratzte Scheiben oder aufgeschlitzte Sitze. Dadurch entstehen immense Schäden, die wir strafrechtlich verfolgen“, so die Pressesprecherin.

Eingetretene Wände

Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt kämpft mit den gleichen Problemen. Allein in den U-Bahnen und Straßenbahnen mussten 2016 Schäden in Höhe von 58 000 Euro beseitigt werden. Es gibt Jahre, da beziffert die VGF den Schaden an Zügen sogar mit 230 000 Euro. Der Vandalismus im ÖPNV kennt offenbar keine Grenzen: Kaputte Info-Tafeln, eingetretene Glaswände von Wartehäuschen und beschädigte Fahrscheinautomaten dokumentieren an den Haltestellen eine viel größere blinde Zerstörungswut.

„An der Infrastruktur entstanden zuletzt Schäden in jährlicher Höhe von 696 000 Euro“, sagt VGF-Sprecherin Juliane Herzog. „Allein für Graffiti-Entfernung und den anschließenden Oberflächenschutz müssen wir zum Teil jährlich mehr als 500 000 Euro aufbringen.“

Die Tags, Bilder und Schmierereien müssen in mühevoller Handarbeit entfernt werden. Die DB reinigt die S-Bahnen in ihrer Werkstatt am Hauptbahnhof mit Hilfe eines speziellen Reinigungsmittels. „Um den Lack widerstandsfähiger zu machen, beschichten wir die Wagen der S-Bahnen“, teilt die DB-Sprecherin mit. „Dann kann die Farbe leichter entfernt werden.“

Rückgang zu verzeichnen

Die DB setzt Sicherheitskräfte ein, die eng mit der Bundespolizei zusammenarbeiten und die Abstellanlagen der Züge überwachen. Dabei kommen Infrarotkameras zum Einsatz. Seit mehr als 15 Jahren überwacht die VGF ihre Stationen und Fahrzeuge ebenfalls mit Video-Technik. „Auch wenn Täter nur schwer dingfest zu machen sind, kann die VGF dank der Überwachungstechnik einen Rückgang der Schäden in ihren Fahrzeugen feststellen“, so die Pressesprecherin.

Die blinde Zerstörungswut an öffentlichem Eigentum im Bereich des ÖPNV habe mit dem Volksstamm der Vandalen wenig zu tun. Sie sei vielmehr ein ungutes Zeichen unserer modernen Gesellschaft. „Das ist ein Angriff auf öffentliches Eigentum“, sagt Herzog.

Immer häufiger werden auch Scheiben der Bahnen zerstört. Fast 50 eingeworfene oder eingetretene Seitenscheiben müssen pro Jahr ausgewechselt werden. Hinzu kommen Schäden durch sogenanntes „Scratching“: Mit spitzen Gegenständen werden die Tags als Visitenkarte auf Fensterscheiben gekratzt. In Extremform werden Scheiben aber nur in zerstörerischer Absicht zerkratzt, zum Teil sogar „blind“ gemacht. Sofort ausgewechselt werden die Scheiben von der VGF aber lediglich, wenn Fahrzeuge mit obszönen, antisemitischen oder rechtsradikalen Zeichen zerkratzt sind.

Beim RMV hofft man, dass die ständige Begleitung der Regionalzüge durch Service-Mitarbeiter in den Abendstunden mit dazu beiträgt, den Vandalismus einzudämmen. „Ich stelle mir immer wieder die Frage, ob die Graffiti-Sprayer selbst Lust haben, dass irgendein Wildfremder mit oftmals zweifelhaften Geschmack und Talent ihr Eigentum bemalt“, sagt RMV-Pressesprecher Sven Hirschler.

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