Benzinpreis und unsichere Arbeitsplätze bremsen Hausbau

Volkhard Gemmer kennt sich mit dem Immobiliengeschäft in der Region aus und kann drei Jahrzehnte überblicken: Seit 1979 ist er als Makler und Inhaber einer Hausverwaltungsfirma tätig, die heute ihren Sitz in Diez hat. Die NNP sprach mit ihm über die Entwicklung des Haus- und Baulandmarkts.

Volkhard Gemmer kennt sich mit dem Immobiliengeschäft in der Region aus und kann drei Jahrzehnte überblicken: Seit 1979 ist er als Makler und Inhaber einer Hausverwaltungsfirma tätig, die heute ihren Sitz in Diez hat. Die NNP sprach mit ihm über die Entwicklung des Haus- und Baulandmarkts.

NNP: Herr Gemmer, wie war das damals in den 80er Jahren, als Sie gerade als selbstständiger Makler ans Werk gingen?

Gemmer: Damals waren die Bauplätze begehrte Ware, selbst auf den kleineren Dörfern. Da gab es einen starken Trend zum Ein- und Zwei-Familienhaus-Bau. Die erste große Veränderung kam Anfang der 90er Jahre.

Was passierte da?

Da kam zunächst die Maueröffnung mit ihrem erheblichen Einwohnerzustrom und dann wurden die Pläne für den ICE-Bahnhof in Limburg immer konkreter. Die Eigentumswohnungen als Anlageobjekte entwickelten sich geradezu explosionsartig. In Limburg sind die Gebiete in Richtung Offheim, Schwarzerde und «Im Finken», in dieser Zeit hochgezogen worden. Kaufpreise von 4000 Mark pro Quadratmeter Wohnfläche waren damals keine Seltenheit und den Leuten wurden noch deutliche Wertsteigerungen versprochen. Mitte der 90er kam dann dort der Einbruch.

Bleiben wir doch noch ein wenig bei den Boom-Jahren. Wie sah es damals mit dem Bauland aus?

Auch da wurden Wahnsinns-Preise gezahlt, selbst in den etwas abgelegeneren Gemeinden, und die Flächen waren sehr schnell verkauft. Ähnlich sah es bei den Gebraucht-Immobilien aus. Wenn damals zum Beispiel in Gückingen ein Haus auf 220 000 Euro kam, bekommt man jetzt noch 190 000 dafür.

Worauf führen Sie den Rückgang auf dem Immobilienmarkt zurück?

Ein entscheidender Punkt war der Wegfall der Eigenheimzulage, 2004 zum Teil und 2006 ganz. Bereits vorher hatte das Geschäft nachgelassen, aber ab da ging es drastisch nach unten. Auch bei den Objekten für die Kapitalanlage sah es ähnlich aus. Da spielt auch die zunehmend vermieterunfreundliche Gesetzgebung und Rechtsprechung hinein. Früher war ein Sechs- oder Acht-Familien-Haus eine typische Geldanlage und Alterssicherung für Selbstständige, beispielsweise Ärzte oder Anwälte. Viele dieser Kunden stoßen ihre Immobilien inzwischen ab, weil ihnen die Scherereien zu groß wurden.

Welche Faktoren spielten sonst noch eine Rolle?

Gerade bei Bauplätzen oder gebrauchten Immobilien für ein Eigenheim haben wird 2008 den rapiden Anstieg des Benzinpreises deutlich gemerkt. Da ging die Nachfrage deutlich nach unten. Die Pendler haben sich dann lieber eine kleinere Wohnung am Rand von Frankfurt genommen. Zudem sind heute viele Arbeitsplätze auf Dauer nicht mehr so sicher. Wenn man früher einen Alleinverdiener hatte und dann noch die Eigenheimzulage dazu kam, konnte man sein Häuschen bauen. Heute müssen schon beide arbeiten, wenn man so etwas vorhat. Es wird insgesamt weniger gebaut, und wenn, dann kleinere Häuser. Im Bestand macht sich der Bevölkerungsrückgang bemerkbar: Viele Häuser, gerade auf den Dörfern, stehen leer oder es wird in den nächsten Jahren dazu kommen.

Wo steht der Immobilienmarkt in der Region heute und vielleicht auch in Zukunft?

Ich denke, wir sind inzwischen auf niedrigerem Niveau stabil, insbesondere bei Gebrauchtimmobilien, die für Anleger auch wieder interessant werden. Insgesamt hoffen wir, dass es langsam wieder nach oben geht.

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