Gemeinsam oder einsam

«Ich bin nicht gerne alleine», sagt Eckhard Hermenau. Es sei kein schönes Gefühl, alleine zu Hause zu sitzen. Gerade unter der Woche, wo man nicht wisse, wo man alleine abends hin gehen solle. Krampfhaftes Suchen nach einer neuen Partnerin bringe aber auch nichts.
Einsamkeit trifft viele Menschen, die alleine leben. Abhilfe schafft der Club der Geschiedenen, Getrenntlebenden und Verwitweten. Foto: (958809) Einsamkeit trifft viele Menschen, die alleine leben. Abhilfe schafft der Club der Geschiedenen, Getrenntlebenden und Verwitweten.

«Ich bin nicht gerne alleine», sagt Eckhard Hermenau. Es sei kein schönes Gefühl, alleine zu Hause zu sitzen. Gerade unter der Woche, wo man nicht wisse, wo man alleine abends hin gehen solle. Krampfhaftes Suchen nach einer neuen Partnerin bringe aber auch nichts.

Limburg-Weilburg. Früher hat der Vorsitzende des Vereins der Geschiedenen, Getrenntlebenden und Verwitweten aus Limburg nach eigenen Angaben immer viele hübsche Mädels gehabt, und meistens habe er diese sitzenlassen. Damals war er Pilot und hat teure Motorräder gefahren. Reden kann der 62-jährige Verkäufer, und da war es natürlich nicht schwer, genügend Kontakte zu knüpfen. Das umgekehrte Gefühl, selbst sitzengelassen zu werden, war er nie gewohnt. Doch dann machte Hermenau in seiner eigenen Ehe einen Fehler, und seine Frau ließ sich enttäuscht scheiden. Schnell lernte Hermenau wieder eine wesentlich jüngere und sehr hübsche Ukrainerin kennen, die bei einem Freund als Au Pair-Mädchen arbeitete. Hermenau dachte wegen des großen Altersunterschiedes schon, dass die Frau ihn irgendwann mal verlassen würde. Und so kam es dann auch – nachdem sie ihm noch eine Tochter beschert hatte.

Der Heringer wünscht sich wieder eine neue Beziehung. Das war aber nicht der Hauptgrund, warum er sich dem Limburger Verein anschloss, der als Selbsthilfegruppe anerkannt ist. Dabei ging es eher um das Thema, nicht alleine zu sein. Trotz des Namens sind in dem Verein aber auch unverheiratete Singles willkommen, «und wir schmeißen auch niemanden mehr raus, der wieder in einer neuen Beziehung ist». 30 bis 70 Leute kommen zu den Treffen, und es wird zusammen viel unternommen. Ausflüge, Museums- und Weihnachtsmarktbesuche oder gemeinsamer Sport wie Kegeln oder Radfahren stehen auf dem Programm. Der Altersschnitt der Leute liegt bei über 50, es gibt aber sogar über 70-Jährige, die dabei sind. Wer glaube, er könne vorbeikommen und Frauen abschleppen, der sei hier völlig falsch und werde wahrscheinlich auch schnell wieder gehen. Der Vorsitzende bezeichnet seinen harten Mitgliederkern schon als große Familie.

In der Kneipe gegründet

Der Verein ist auch 1994 in der Limburger Kneipe «Floh» entstanden, als ein paar einsame Menschen mit gleichen Interessen sich zusammenschlossen. Da sei dann das Hilfe-ich-bin-alleine-Gefühl weg gewesen. «Die Leute haben etwas, auf das sie sich freuen können», erzählt Hermenau. Da seien Menschen dabei, die im normalen Leben Kontaktschwierigkeiten hätten. Einige Paare hätten sich über den Verein schon gefunden. Auch wenn im Verein mehr Frauen seien, sucht Hermenau dort nicht krampfhaft selbst nach einer neuen Beziehung. Dort Freunde gefunden zu haben, ist für ihn aber ein tolles Gefühl. «Der Verein macht Spaß, und ich stecke viel Zeit da hinein, beispielsweise wenn ich unsere Reisen organisiere», so Hermenau. Letzten Sonntag war Hermenau mit seinen Leuten in Köln in einer Ägypten-Ausstellung. Einerseits genießt er es, frei tun zu können, was er möchte, andererseits ist die Einsamkeit hin und wieder doch ein bedrückendes Gefühl. Doch mit zunehmendem Alter werde man in der Partnersuche bedächtiger und wählerischer, gibt der Hünfeldener zu. Die Erfahrung sage dann: Mach nicht, was du früher einfach getan hast. Vielleicht sitze man aber einfach mal irgendwo, es werde ein Blick ausgetauscht, und das Glück sei wieder da. rok

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