Hilfe auf einem schweren Weg

Von Eine Krebserkrankung ist erst einmal ein Schicksalsschlag. Aber es gibt Hilfe – zum Beispiel im Brustzentrum St. Vincenz. Katja Stickel ist Patientin auf dem Schafsberg, und sie sagt: «Dort bin ich gut aufgehoben.»
Wer Brustkrebs hat, sollte nicht in Sack und Asche gehen - es gibt eine Menge schöne, bequeme Wäsche im Sanitätshaus auf dem Schafsberg. Wer Brustkrebs hat, sollte nicht in Sack und Asche gehen - es gibt eine Menge schöne, bequeme Wäsche im Sanitätshaus auf dem Schafsberg.

Eine Krebserkrankung ist erst einmal ein Schicksalsschlag. Aber es gibt Hilfe – zum Beispiel im Brustzentrum St. Vincenz. Katja Stickel ist Patientin auf dem Schafsberg, und sie sagt: «Dort bin ich gut aufgehoben.»

Limburg. Montags war immer Chemo-Tag. Alle drei Wochen ist Katja Stickel immer montags zur Chemotherapie von Weilrod-Hasselbach nach Limburg gefahren. Am Montag drauf ist sie dann zum Blutabnehmen gekommen – am 22. November zum letzten Mal. Aber Katja Stickel wird weiterhin ins Brustzentrum St. Vincenz fahren, denn nach der Chemo ist noch lange nicht Schluss mit der Therapie.Dann ist die Bestrahlung dran. Sechs Wochen lang wird die erkrankte Brust jeden Tag für fünf Minuten bestrahlt. «Sechs Wochen lang darf ich die Stelle nicht waschen», sagt Katja Stickel und lacht.

Sie lacht viel, sie ist ein fröhlicher Mensch. «Ich bin positiv eingestellt», sagt Katja Stickel. Immer wieder habe sie sich gesagt: «Das schaffe ich.» Auch vor der Chemotherapie habe sie keine Angst gehabt. Sie habe sich auf jede Chemo gefreut, sagt sie, sie habe keine ausfallen lassen. «Jede Chemo brachte mich nach vorne, jedes Mal war es eine weniger.» Am 15. November hatte sie ihre letzte Chemotherapie, drei Tage nach ihren 51. Geburtstag.

Wichtige Erfahrung

Auf alle Fälle sei die Chemotherapie eine wichtige Erfahrung gewesen. Und eine, bei der sie froh war, dass sie sie im Brustzentrum gemacht hat. «Hier wird alles getan, dass es einem gut geht.» Zwei Räume stehen den Frauen in der Chemo-Ambulanz zur Verfügung, in beiden stehen bequeme Sessel, es gibt warme Decken, Kekse, belegte Brötchen, Wasser, Kaffee und Tee. Und es gibt Herzkissen. Jede Frau bekommt eines, genäht werden sie von den Frauen des Dauborner Patchwork-Treffs. Die Kissen sind nicht nur zum Kuscheln gedacht, sie sollen den Arm auf der operierten Seite entlasten, und den Kopf kann man natürlich auch drauflegen.

Der Raum ist ein geschützter Ort für die Frauen. «Manchmal zieht eine die Perücke oder das Tuch ab, wenn es zu warm wird.» Die Frauen sprechen miteinander über ihre Erfahrungen: «Das hilft.» Es sei auch kein Problem, wenn mal eine weint. «Aber wir lachen auch viel.» Und es gibt wertvolle Tipps. Dass Ingwertee und Zimt-Kaugummi gegen den komischen Geschmack im Mund helfen und was gut schmeckt. «Kartoffeln und Zucchini oder Griessuppe zum Beispiel haben ihr am besten geschmeckt. «Ich geh in den Laden und weiß: Das schmeckt mir heute», sagt Katja Stickel. «Man lernt den Körper viel besser kennen, man muss ja auch ganz anders acht geben.»

Kleiner Knoten

Dabei ist Katja Stickel eine Frau, die schon vor der Krebserkrankung auf sich aufgepasst hat. Den Knoten, der ihr am 23. Juni entfernt wurde, hatte sie selbst zuerst entdeckt. Immer ist sie ganz gewissenhaft zur Vorsorgeuntersuchung gegangen. Am 15. Juni war es wieder so weit. Sie berichtete ihrem Frauenarzt von dem kleinen Knötchen, das sie gefühlt hatte. Der Arzt sah den Knoten auch auf dem Ultraschall-Bild. Und dann ging alles ganz schnell: Am 16. Juni wurde eine Mammographie gemacht, am 17. Juni eine Biopsie. Als feststand, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt, schauten die Ärzte nach, ob auch Organe oder die Knochen befallen waren. Zum Glück waren sie das nicht. Am 23. Juni wurde Katja Stickel dann operiert. Sie habe sich bewusst entschieden, ins Limburger Krankenhaus zu gehen und nicht nach Wiesbaden oder Frankfurt, sagt sie. «Hier ist man wirklich Patientin, keine Nummer.» Sie habe immer das Gefühl gehabt, dass Ärzte und Schwestern sich genug Zeit für sie nehmen, Schwester Christiane Neu-Reusch und Angelika Ober, eine der Oberärztinnen, hatten all ihre Fragen beantwortet. «Man muss nicht alleine durch diese schwere Zeit gehen. Da wird auch mal jemand gedrückt und getätschelt.» Und wenn man mal größere Sorgen hat, gibt es noch die Psychoonkologen des Brustzentrums.

Dann sei selbst die Chemotherapie gar nicht so schlimm wie befürchtet. Es gebe Medikamente gegen die Übelkeit, Nagellack gegen brüchige, verfärbte Nägel, in einem Schminkkursus lernen die Frauen, wie sie über ausgefallene Wimpern und Augenbrauen hinwegtäuschen können. Und als Ersatz für die ausgefallenen Haare gibt es Perücken oder Tücher. Katja Stickel kann daraus kunstvolle Kopfbedeckungen machen. Sie habe von Anfang an gesagt, dass sie ein Tuch tragen wolle, keine Perücke. Aber dann hat sie sich doch eine ausgesucht, und manchmal, ganz selten, trägt sie sie auch. Die Frisur ist so ähnlich wie die, die Katja Stickel hatte, bevor ihr die Haare ausfielen – ein Kurzhaarschnitt.

Katja Stickel kommt gut mit der Krankheit und ihren Folgen zurecht. «Man muss auch diese Phase des Lebens annehmen», sagt sie. Wichtig sei, dass man sich nicht selbst die Schuld gebe, sich frage: «Warum ich?» Wichtig sei auch, dass man eine Familie habe, die einen unterstützt. «Wenn ich meinen Mann nicht schon vor 33 Jahren geheiratet hätte, würde ich es jetzt tun.» Im Grunde habe ihr Mann es schwerer als sie selbst. «Er würde gerne helfen, mir etwas abnehmen. Das kann er nicht, aber er kann mich unterstützen.» Und es gibt noch etwas, das hilft: «Wenn ich die Krankheit annehme, darüber rede, dann merke ich, dass es mir gut geht.»

Weitere Informationen zum Brustzentrum St.Vincenz gibt es am Telefon: Telefon:  (0 64 31) 2 92 74 48.

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