Jugend ist «selbstständiger, aber verwöhnter»

Vor neun Jahren begann Paul Stegemann mit dem Aufbau der Hadamarer Jugendarbeit. Der Stadtjugendpfleger weiß, was bei Jugendlichen gut ankommt. Mit ihm sprach Paula Fischer.

Vor neun Jahren begann Paul Stegemann mit dem Aufbau der Hadamarer Jugendarbeit. Der Stadtjugendpfleger weiß, was bei Jugendlichen gut ankommt. Mit ihm sprach Paula Fischer.

NNP: Was bietet die Stadt Hadamar für Jugendliche an?

PAUL STEGEMANN: Wir haben die regelmäßigen Jugendtreffs: Montags und donnerstags treffen sich von 17 bis 19 Uhr Jugendliche im Alter von zehn bis 14 Jahren. Mittwochs bieten wir von 17 bis 20 Uhr den Jugendtreff für 13- bis 18-Jährige an sowie parallel dazu den Jungentreff, während der Mädchentreff montags von 15.30 Uhr bis 17 Uhr stattfindet. Außerdem gibt es immer ab November jeden zweiten Samstag im Monat von 19 bis 23 Uhr den «Midnightball», eine Sportveranstaltung in der Fürst-Johann-Ludwig-Schule, bei der Ballspiele jeder Art gespielt werden. Dazu kommt unsere Projektarbeit, die unterschiedliche Dinge umfasst. Auch hier können die Jugendlichen mit eigenen Ideen zu uns kommen. Für die Sechs- bis Elfjährigen organisieren wir die Ferienspiele während der Sommerferien. Und es gibt noch die Jugendräume in Ober- und Niederzeuzheim sowie in Niederhadamar.

Welche Angebote kommen bei den Jugendlichen gut an, welche nicht?

Die Angebote, die wir nach wie vor machen, kommen alle gut an, weil wir uns nach den Interessen der Jugendlichen richten. Der «Midnightball» wird gut angenommen; es kommen immer zwischen 50 und 180 Jugendliche. Das hängt aber auch immer vom Wetter und von eventuellen Konkurrenzveranstaltungen ab. Jugendräume werden nicht mehr ganz so stark wie früher genutzt.

Gab es schon einmal einen Flop?

Eigentlich nicht. Wenn überhaupt, wären das die Jugendräume in den Ortsteilen. Die laufen meist am Anfang gut, doch dann kommen die Jugendlichen nach einiger Zeit nicht mehr. Meist hängt das mit einem Generationenwechsel zusammen. Generell werden Jugendräume im Winter stärker als im Sommer genutzt.

Wie viel Eigeninitiative ist bei den jungen Leuten von heute noch vorhanden?

Bei vielen Jugendlichen gibt es heute so etwas wie ein Konsumverhalten: Die Angebote für Jugendliche sind sehr vielfältig, so dass sie eine sehr große Wahl haben. Ihre eigenen Ideen sind – wie die von vielen Erwachsenen übrigens auch – oft nur kurzlebig. Wir versuchen Jugendliche durch Verbindlichkeit an uns zu binden. Das bedeutet: Wenn wir eine Veranstaltung ausschreiben, findet sie auch statt. Genauso erwarten wir von den Jugendlichen, dass, wenn sie sich für etwas angemeldet haben, auch erscheinen und, sofern die Aktion kostenpflichtig ist, bezahlen. Neben unseren Angeboten gibt es außerdem die der Kirchen und der Vereine. Solange unsere Regeln – wie keine Gewalt, kein Alkohol und ein guter Umgang – eingehalten werden, sind wir offen für alles.

Wie haben sich die Interessen von Jugendlichen im Vergleich zu denen von vor 20 Jahren verändert?

Vor 20 Jahren gab es die ganze Medienwelt noch nicht, und man hat sich häufiger «face-to-face» getroffen. Heute kommunizieren junge Leute viel über das Internet und übers Handy, was die Jugendwelt total verändert hat. Trotzdem treffen sich Jugendliche natürlich auch heute noch. Insgesamt sind diese Veränderungen aber gar nicht schlecht, sondern nur anders, so wie die Jugendlichen von heute anders sind: Sie sind wesentlich selbstständiger, aber verwöhnter. Wir versuchen deshalb mit unseren Events, den heutigen Freizeitstress nicht noch zu unterstützen.

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