Kommunen stellen sich auf Alt ein

Von Der Landkreis Limburg-Weilburg altert. Schon heute ist knapp ein Fünftel (19,4 Prozent) der Bevölkerung älter als 65 Jahre. Vor zehn Jahren waren es 16,5 Prozent, vor 20 Jahren 15,5 Prozent. In einzelnen Kommunen ist der Altenanteil bereits über 20 Prozent gestiegen.

Der Landkreis Limburg-Weilburg altert. Schon heute ist knapp ein Fünftel (19,4 Prozent) der Bevölkerung älter als 65 Jahre. Vor zehn Jahren waren es 16,5 Prozent, vor 20 Jahren 15,5 Prozent. In einzelnen Kommunen ist der Altenanteil bereits über 20 Prozent gestiegen.

Limburg-Weilburg. Die Zukunft des Kreises sieht zunehmend alt aus: Die Hessen-Agentur schätzt, dass bis 2020 der Anteil der über 65-Jährigen im Landkreis Limburg-Weilburg um weitere drei Prozent zunimmt und bis 2050 bei knapp unter einem Drittel liegen wird. Viele heimische Kommunen haben das Problem längst erkannt und reagieren darauf. In den letzten Jahren wurden in fast allen Städten und Gemeinden – mit Unterstützung der örtlichen Politik – Altenheime und Häuser für betreutes Wohnen gebaut, Seniorenbeiräte ins Leben gerufen, Seniorenbeauftragte ernannt, Seniorenbüros eingerichtet und etliches mehr unternommen, um sich auf die «alte Zukunft» einzustellen.

Ortskerne bluten aus

Sorge bereitet vielen Städten und Gemeinden die Entwicklung ihrer Altstädte und Dorfkerne. Denn während sich die Jüngeren bevorzugt in den Neubaugebieten an den Ortsrändern niederlassen, bleiben die «Alten» in den Ortskernen wohnen – mit der Folge, dass diese buchstäblich aussterben. Häuser stehen leer, weil ihre Bewohner verstorben, in ein Heim oder zu Verwandten verzogen sind. Eine Entwicklung, der beispielsweise die Gemeinde Villmar bereits seit Jahren mit ihrem Programm «Unserem Dorf mehr Leben geben» entgegentritt, so Bürgermeister Hermann Hepp (CDU). Wer in Villmar ein Haus im Ortskern erwirbt und saniert, darf mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde rechnen. Ein Programm, das laut Hepp gut angenommen wird und erste Erfolge zeige. Gleichzeitig wurde in Villmar auf die Ausweisung neuer Baugebiete verzichtet, um die Ortskernpolitik nicht zu unterlaufen. Ähnliche Programme wie in Villmar gibt es mittlerweile in vielen anderen Kommunen des Kreises, beispielsweise in Runkel und Beselich.

Weg von der Peripherie und hin zur Kernstadt ist auch für die Stadt Limburg ein wichtiges Ziel, mit dem sie auf das Älterwerden ihrer Bevölkerung reagiert, sagt Pressesprecher Wolfgang Becker. Den jahrzehntelangen Trend zur Ansiedlung von Geschäften in den Vorstadt-Gewerbegebieten Offheim und Dietkirchen gelte es zu stoppen und das Angebot in der Innenstadt zu stärken. Zukunftsweisend sei die Eröffnung des innenstadtnahen Generationenzentrums St. Georg, das ein Pflegeheim, Wohnungen für alte Menschen und eine Kindertagesstätte unter einem Dach vereint.

In der Limburger Stadtentwicklung spielen die Bedürfnisse von Senioren eine wachsende Rolle, berichtet der Sprecher weiter. So würden bei Planungen Optionen wie der Bau eines Bewegungsparcours, von Bocciaplätzen oder auch die Umwandlung von Kinderspielplätzen zu Stätten der Begegnung für Jung und Alt geprüft. Selbst beim Bau von Kindergärten regiert in der Stadt Limburg die Seniorenpolitik hinein, sagt Becker. Seit Jahren schon würden die Grundrisse so konzipiert, dass eine Umwandlung in Seniorenwohnungen möglich ist. Auch die Straßenplanung sei häufig auf «Alt» eingestellt: Neue Bürgersteige, so Becker, würden so abgesenkt, dass sie für alte Menschen und Rollstuhlfahrer leichter begehbar werden.

Die Stadt Runkel hat auf das Altern ihrer Bürger vor knapp zwei Jahren mit der Schaffung des sogenannten «Runkeler Bus‘chen» reagiert. Ein Vorzeigeprojekt, das die Mobilität vor allem der älteren Menschen sicherstellen soll. Für einen sozialen Fahrpreis können sie sich dorthin fahren lassen, wo sonst kein öffentliches Verkehrsmittel vorhanden ist, berichtet Bürgermeister Friedhelm Bender (SPD). Und das nicht nur, um den Arztbesuch zu ermöglichen, sondern auch um die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen aufrechtzuerhalten. Das «Runkeler «Bus‘chen» ist zwar ein Zuschussbetrieb für die Stadt, gilt aber in vielen Kommunen, die über ähnliche Modelle nachdenken, als wegweisend. Darüber hinaus ist die Stadt bemüht, mit dem Bau eines privaten Gesundheits- und Wellnesszentrums die Lebensqualität vor allem der älteren Generation zu verbessern, so Bender. Außerdem sei geplant, einen Seniorenbeirat zu gründen, in dem ältere Menschen Wegbegleiter für jüngere sind, zum Beispiel als Vorleser oder für PC-Schulungen.

Zukunftsweisend ist nach Einschätzung des Beselicher Bürgermeisters Kai Müller (parteilos) ein Vorhaben im Ortsteil Heckholzhausen. Dort wird im Rahmen der Dorferneuerung überlegt, ein «Beselicher Netzwerk» aufzubauen, eine «soziale Infrastruktur», die auf der Basis von Nachbarschaftshilfe funktionieren soll. «Das ist vor allem in Ortsteilen wichtig, in denen es keine Versorgung mehr gibt», so Müller. Mitglieder dieses Beselicher Netzwerks könnten zum Beispiel ältere Menschen zum Einkaufen mitnehmen.

Auch in Hadamar stellt man sich auf eine Zukunft mit höherem Anteil an alten Menschen ein, sagt Hauptamtsleiter Jürgen Lanio. Erst kürzlich sei die Frauenbeauftragte zur Seniorenbeauftragten ernannt worden. Und im Ortsteil Steinbach wird in der Sporthalle eine Altenbegegnungsstätte geschaffen – ein Projekt, das sich Hadamar immerhin 200 000 Euro kosten lässt.

«Kümmerer» für Senioren

Der Marktflecken Mengerskirchen hat laut Bürgermeister Thomas Scholz (CDU) mit der Einrichtung eines Seniorenbüros schon vor Jahren auf die wachsende Zahl von Senioren reagiert. Das Seniorenbüro habe in allen fünf Ortsteilen die wöchentliche Gymnastik eingeführt, bei der auch der Kontakt eine wichtige Rolle spiele. Darüber hinaus unterstütze der Marktflecken den Wunsch vieler Senioren, im Alter in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben nach Kräften. Außerdem seien in den letzten Jahren der alten- und behindertengerechte Ausbau der öffentlichen Gebäude vorangetrieben worden. In jedem Ortsteil gebe es ein Seniorenteam, das sehr rege Angebote und Initiativen durchführe. Im Dorfgemeinschaftshaus Dillhausen soll es 2011 die erste generationsübergreifende Begegnungsstätte für «Jung und Alt» geben. Die Caritas hat zudem als Pilotprojekt einen «Kümmerer» geschaffen: Herta Erbar berät Mengerskirchener Senioren in allen Belangen.

Die Stadt Bad Camberg, so ihr Bürgermeister Wolfgang Erk, ist auf die ältere Generation gut eingestellt. In jedem Ortsteil gibt es von der Stadt unterstützte Seniorenclubs, die unterschiedliche Freizeitangebote organisieren. Es existiert ein Seniorenbeirat, der sich um die Belange der «Alten» kümmert, das Angebot an generationenübergreifendem Wohnen, an betreutem Wohnen und Pflegeheimplätzen sei breitgefächert. Die Jugendpflegerin kümmert sich auch um Senioren, die Infrastruktur der Stadt sei gerade für ältere Menschen attraktiv, sagt Erk mit Blick auf Theater und verschiedene Kulturveranstaltungen, die die Kurstadt zu bieten hat.

Bei allen Angeboten für Senioren will Erk aber nicht die Förderung der jungen Familien aus dem Blick verlieren, die für ihn die «andere Seite» der demografischen Entwicklung darstellt. So könne Bad Camberg mit einer Kleinkinderbetreuungsquote von 40 Prozent glänzen und darauf hoffen, dass junge Familien aus dem Rhein-Main-Gebiet in die Kurstadt ziehen. «Wir freuen uns, wenn ältere Menschen bei uns wohnen, müssen aber auch dem Geburtenrückgang entgegensteuern», ist der Camberger Verwaltungschef überzeugt.

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