Spitzen-Abi – und dann?

Von Was machen Menschen aus dem, was sie in der Schule gelernt haben? Und was haben sie zum Thema Bildung zu sagen? Danach haben wir drei einstige Spitzen-Abiturienten aus dem MTK gefragt.

Was machen Menschen aus dem, was sie in der Schule gelernt haben? Und was haben sie zum Thema Bildung zu sagen? Danach haben wir drei einstige Spitzen-Abiturienten aus dem MTK gefragt.

Main-Taunus. Seine Privatbibliothek ist mindestens so beeindruckend wie sein Wissen umfangreich. Schon als Schüler ist Marco Frenschkowski durch besondere Leistung aufgefallen. Gleich zwei Mal hat er eine Klasse übersprungen und 1978, nach nur elf Jahren Schule, sein Abitur an der Main-Taunus-Schule in Hofheim mit einer 1,1 als Note gemacht. Doch deshalb ein Studienfach zu wählen, das ihn nicht interessierte, wäre für den Hochbegabten nie in Frage gekommen. Er entschied sich für das, was ihn am meisten interessierte, die Theologie. «Höflich belächelt» habe sein Vater, ein Banker, damals diese Wahl, erinnert sich Frenschkowski. Und er war nicht der Einzige, der schwer nachvollziehen konnte, warum einer sein Spitzen-Abi nicht als Eintrittskarte für ein Studium nutzt, mit dem sich richtig viel Geld verdienen lässt. Für Marco Frenschkowski aber ist anderes wichtiger. Berufung gehört dazu.

In Tübingen und Mainz hat er evangelische Theologie und Gräzistik (Altgriechisch) studiert. Nicht die einzige ausgefallene Sprache, die er sich angeeignet hat. Akkadisch, Syrisch, Chinesisch, Arabisch oder Pahlavi zählen ebenfalls dazu. Der Neutestamentler ist Spezialist für phantastische und unheimliche Literatur, hält Vorlesungen und Seminare zum interreligiösen Dialog. 2001 hat er sich habilitiert und schon verschiedene Lehraufträge erfüllt. Im Main-Taunus-Kreis kennt man ihn zudem als Pfarrer.

Auf die Frage, ob die Anstrengung für all die Bildung lohnt, antwortet er: «Ja, selbstverständlich.» Schließlich sei «Bildung an sich ein Wert, der das Leben erfreulicher und reicher macht». Noten, ist Frenschkowski indes sicher, sagten «sehr viel weniger aus, als man denkt. Die Erfahrung, gerade von guten Schülern, ist ja doch, dass im Leben ganz andere Dinge zählen. Innovativ zu sein zum Beispiel.» Ein gutes Abitur ermutige aber und befähige, «sich auf die Produkte des eigenen Kopfes zu verlassen», sagt Frenschkowski. Neben Religion hatte er übrigens in der Schule auch Mathe als Leistungskurs.

Mathe und Physik gar waren die Leistungsfächer von Professor Matthias Fuchs. Mit 1,0 machte er 1982 an der Main-Taunus-Schule sein Abitur. Ein Naturwissenschaftler ist trotzdem nicht aus ihm geworden, wie viele Menschen im Kreis wissen. Der Hofheimer ist Pianist und lehrt zudem an der Mainzer Hochschule für Musik. Gebracht hat ihm die Traumnote am Schulende nicht einmal ein Stipendium. «Für Musiker gibt‘s da eine Extra-Auswahl auf Vorschlag der Musikhochschule», sagt Fuchs. Auf diesem Umweg hat er die Förderung übrigens dann doch noch erhalten. Matthias Fuchs plädiert klar für eine möglichst breite Schulbildung und hält es da mit dem Ausspruch des Physikers Georg Christoph Lichtenberg: «Wer nichts als Chemie versteht, versteht auch die nicht recht.» Deshalb findet es Fuchs auch schade, dass die Gymnasialzeit verkürzt wurde. Bildung brauche auch Raum, sagt er, und das bedeute nicht, sich nur all das anzueignen, was «man wissen muss». Gerade hat übrigens einer seiner besten Klavierschüler auch ein 1,0-Abitur gemacht – mit Mathe und Physik als Leistungskurs. . .

Forschen bei der NASA

«Traumnote 1,0» hieß es vor zehn Jahren auch für Christina Mester. Mit Hilfe ihres ehemaligen Lehrers Hans Joachim Kreß-Beck haben wir die Ex-Abiturientin der Schwalbacher Albert-Einstein-Schule im fernen Kalifornien ausfindig gemacht. Dr. Christina Selle heißt sie jetzt – und arbeitet für das Jet Propulsion Laboratory der NASA. Sie forscht, wie Positionsbestimmungen durch GPS optimiert werden können. Denn Christina Selle hat Luft- und Raumfahrttechnik studiert. «Ohne ein gutes Abitur wäre ich in Princeton nicht angenommen worden», ist sie sicher. Weil ihr Studienfach damals in Deutschland aber noch keine Numerus Clausus-Beschränkung hatte, hätte ihr ein schlechteres Abi zumindest nicht den Traumberuf verbaut, glaubt sie heute. Die Noten selbst hält die promovierte Ingenieurin allerdings für weniger wichtig als das tatsächlich Gelernte. «Ohne das würde ich weder im Studium noch im Beruf auskommen.»

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