Tatort Familie

Von Im Main-Taunus-Kreis kann man auch abends noch auf die Straße gehen. Orte, von denen man sich besser fernhalten sollte, gibt es nicht.

Im Main-Taunus-Kreis kann man auch abends noch auf die Straße gehen. Orte, von denen man sich besser fernhalten sollte, gibt es nicht.

Main-Taunus. Bei der Frage nach dem sichersten Ort im Main-Taunus-Kreis kommen Polizisten ins Grübeln. Heiße Anwärter auf Platz eins sind etliche Bergdörfer wie Ehlhalten, Bremthal oder auch Wildsachsen, wo sich, wie ein Polizist sagt, «nicht einmal Fuchs und Hase etwas Böses tun».

Mit dem Hammer

Bei der Frage nach dem unsichersten Ort sind sich alle einig: «Die Familie.» Acht «Straftaten gegen das Leben», wie es amtlich heißt, sind im Polizeibericht 2009 aufgeführt. «Bis auf einen Fall, bei dem ein Arzt wegen fahrlässiger Tötung angezeigt wurde, waren das alles Beziehungstaten», sagt Polizeisprecher Andreas Beese. Für das meiste Aufsehen sorgte wohl der Fall eines Kelkheimers, der seiner Frau den Schädel mit einem Hammer einschlug. Alle anderen Taten waren zwar nicht tödlich; so überlebte etwa eine Mutter die Messerattacke ihres Sohnes. Aber es waren immer Gewalttaten im engsten Familienkreis. Alle wurden aufgeklärt.

Auch die «Straftaten gegen die persönliche Freiheit», gemeinhin Freiheitsberaubung genannt, und die «gegen die sexuelle Selbstbestimmung» sind meist Straftaten, die in der Familie geschehen. Töchter, die zur Ehe gezwungen werden, und Kindesmissbrauch gibt es auch im MTK. Wie überall gibt es bei diesen Delikten eine hohe Dunkelziffer, da viele Taten in der Familie oft einfach von den Angehörigen «übersehen» werden.

Räuber treiben im Main-Taunus-Kreis auch ihr Unwesen. Da gibt es Jugendliche, die Jugendliche «abziehen», das heißt, ihnen Markenjacken oder Handys abnehmen. Das sind Delikte, die nur selten angezeigt werden. Dann gibt es da noch den Räuber, der den Einzelhandel in der Innenstadt von Hofheim ein paar Tage lang in Schrecken hielt, weil er bei seinen Überfällen mit einem Messer herumfuchtelte. Er verhielt sich aber so auffällig, dass die Polizei den Maskenmann nach wenigen Tagen festnehmen konnte. Die Zahl der Raubüberfälle hat insgesamt um 19 Prozent auf 105 Fälle abgenommen, die Zahl der Körperverletzungen ist um 10 Prozent auf 934 gestiegen. 184 Fälle davon sind «häusliche Gewalt». Immer wieder mal kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen jungen Leuten, sei es die Kerbekeilerei oder eine Klopperei unter Jugendlichen verschiedener Gruppierungen. Meist bleibt es aber bei der reinen Drohkulisse, wie bei den gelegentlichen nächtlichen Gockeltänzen auf dem Rondell vor der Main-Taunus-Schule.

«Gefährliche Insel»

Diese «Gockel» sind es auch, die abends und nachts im Hofheimer Parkdeck rumlümmeln und eigentlich ganz froh sind, wenn sie niemand beim Biertrinken stört. Und wenn die Luft ganz rein ist, wird auch mal ein Joint «durchgezogen».

«Wir leben auf einer Insel der Glückseligen», sagt Andreas Beese, der versichert: «Es gibt im Main-Taunus-Kreis keine No-go-Areas, also Stellen, wo man sich – und sei es nur spät abends – nicht hintrauen kann.» Das liegt aber daran, dass es im Kreis keine schweren sozialen Brennpunkte gibt. Und der Bahnhofsplatz in Hofheim, der so verkehrsgünstig liegt, dass sich dort Frankfurts Drogenszene traf, ist fast drogenfrei, seit die Polizei den Platz, den Bahnhof und das Parkdeck mit Videokameras kontrolliert.

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse