E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 17°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Taktiktafel: Das waren die Eintracht-Probleme im Spiel gegen Borussia Dortmund

Von „In der ersten Halbzeit haben wir einfach überhaupt nicht stattgefunden“, sagte Eintracht-Trainer Niko Kovac nach dem Spiel in Dortmund. Die Borussia dafür umso mehr. Die 1:0-Pausenführung war allerdings ein zu geringer Ertrag für ihren Aufwand.
<span></span>

Danny da Costa wusste gleich, was los war, Timothy Chandler brauchte einen Moment länger: Die beiden Außenbahnspieler der Frankfurter Eintracht waren einfach nicht schnell genug hinten heraus gerückt, und so stand Michy Batshuayi nach dem Zuspiel von Lukasz Piszczek nicht im Abseits. Sein technisch perfekter Treffer zum 3:2 für Borussia Dortmund zählte – und tat so richtig weh, 40 Sekunden vor dem Ende der Nachspielzeit. Taktisch interessanter als die wahnwitzige Schlussphase war aber der erste Abschnitt.

Dass es überhaupt so spannend werden könnte, dafür sprach vor der Pause lediglich die mangelhafte Chancenverwertung der Dortmunder, die ansonsten 45 Minuten lang ein Bombenspiel machten. Klug, mutig und entschlossen liefen die Männer von Trainer Peter Stöger da den Gegner notfalls auch an dessen Grundlinie an und verhinderten jedweden konstruktiven Spielaufbau. Phasenweise fühlte man sich an eine Art „Ganzfeldpresse“ erinnert, wie man sie als taktisches Mittel beim Basketball findet. Im Handball würde man wohl von einer „offenen Manndeckung“ sprechen. Fußballer kennen das aus dem Training auf verengtem Feld, wenn es heißt: „Jeder hat einen“. Dortmund spielte bei Ballbesitz der Eintracht phasenweise tatsächlich Mann gegen Mann (siehe Grafik).

Druck will man im modernen Fußball auf den Ball haben – und damit ist nicht die Luft gemeint, mit der die Kugel aufgepumpt ist. Es geht vielmehr darum, dem Gegner wenig Zeit und Raum zu lassen, ihn zu überhasteten Entscheidungen zu zwingen oder dorthin zu lenken, wo man ihn gerne hätte – den Gegner, den Ball oder beides. Die Eintracht zum Beispiel mag es nicht, wenn die anderen die Kugel hinten hin und her schieben und in aller Ruhe nach einer Lücke suchen. Mit robusten Kerlen wie Salcedo, Falette, Abraham oder Russ fühlt sich die Mannschaft von Niko Kovac vielmehr gut gerüstet für Luftduelle. Also ist es ganz oft so, dass vorne mit einigem Aufwand versucht wird, so nah an den ballführenden Gegenspieler heranzu-kommen, dass der den Ball nach vorne schlagen muss – oder dass man das Spielgerät gewinnt und gleich eine Torchance hat.

Mit dem Ball am Fuß hat sich die Eintracht verbessert, ist aber immer noch keine Übermannschaft. Innenverteidiger vom Format eines Mats Hummels oder Jerome Boateng, die bei eigenem Ballbesitz quasi als Spielmacher auftreten, hat Kovac nicht zur Verfügung. Viele Gegner haben deshalb den Fehler gemacht, die Eintracht zu unterschätzen. Und ihre Abwehrspieler nicht zu stören. Vermutlich mit dem Hintergedanken, dass die ja ganz von alleine Fehler machen. Doch dann haben es Kovac und seine Leute geschafft, sich erheblich zu verbessern, und mittlerweile ist die Eintracht zu stark, um sie einfach mal machen zu lassen. Das hat Stöger erkannt und den Spieß umgedreht. Die Borussen machten erbarmungslos Druck auf den Ball, und hätten sie ihre Chancen genutzt, wäre die Partie zur Pause längst entschieden gewesen.

Dass die Dortmunder Kraft nicht reichte, um in der zweiten Halbzeit noch einmal diesen enormen Aufwand zu betreiben, darf einen beruhigen. Wenn es nämlich so weit ist, dass Spieler tatsächlich 90 Minuten am Stück sprinten und jeden Ball anlaufen können, ist der Fußball, den wir kennen, Geschichte.

 

Zur Startseite Mehr aus Eintracht Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen