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Eintracht Frankfurt: Der Leuchtturm von La Coruna: Eintracht Museum feiert zehnten Geburtstag

Ende des Monats feiert das Eintracht-Museum seinen zehnten Geburtstag. Aus diesem Anlass stellt Museumsleiter Matthias Thoma hier fünf besondere Ausstellungsstücke vor – und erzählt ihre Geschichten.
Schweres Stück: Thomas Rohrbach (rechts) schleppt mit Uwe Kliemann den Pokal aus La Corunas dunklem Stadion. Schweres Stück: Thomas Rohrbach (rechts) schleppt mit Uwe Kliemann den Pokal aus La Corunas dunklem Stadion.
Frankfurt. 

Es ist der größte Pokal, den die Frankfurter Eintracht in ihrer langen Geschichte gewonnen hat, und gleichzeitig einer der sportlich wertlosesten. Mit seinen Ausmaßen stellt er Meisterschale, Uefa-Cup und DFB-Pokal locker in den Schatten. Prachtvoll ausgestattet ist er zudem,wie keine andere Trophäe, die bei uns im Museum Platz gefunden hat. Und immerhin mussten die damaligen Eintracht-Spieler im August 1972 richtig kämpfen, um ihn zu erringen. So kam es dazu:

Während der Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison 1972/73, die wegen der Olympischen Spiele in München erst Mitte September begann, hatte die Eintracht einige internationale Spiele vereinbart. Auf Palma de Mallorca wurde am 14.August beispielsweise Espanyol Barcelona mit 3:1 besiegt. Zehn Tage später ging die Reise erneut nach Spanien, wo es gute Tradition war, selbst für eher bedeutungslose Freundschaftsspiele stattliche Pokale auszuloben und mit edlen Wimpeln aufzuwarten. Die Trophäe an diesem Abend in La Coruna sollte freilich alle Erwartungen übertreffen. „Wir haben gedacht, das wäre ein lockeres Freundschaftsspiel“, erinnert sich Mittelfeldspieler Thomas Rohrbach, „aber als wir auf den Platz kamen, stand da dieser riesige Pokal.“ 1,50 Meter hoch, mit einem Durchmesser von 45 Zentimetern und mächtig schwer.

Das vermeintliche Freundschaftsspiel vor stolzen 20 000 Zuschauern nahm schnell an Härte zu. „Deportivo wollte mit aller Gewalt diesen Pokal gewinnen. Wir haben natürlich dagegengehalten, und so wurde die Partie recht hektisch und teils unfair“, berichtet Rohrbach. Eintracht-Stürmer Ender Konca traf zum 1:0, es blieb das einzige Tor.

Die Verantwortlichen von Deportivo La Coruna waren stocksauer und löschten sofort nach Abpfiff das Flutlicht, das Siegerfoto mit Trophäe wurde im stockdunklen Stadion gemacht. Und dann ging der Riesenpokal auf Reisen nach Frankfurt, was angesichts der Ausmaße nicht ganz einfach war.

Mit Verteidiger Uwe Kliemann schleppte Rohrbach das schwere Schmuckstück vom Platz. Auch der Transport im Flugzeug ging nicht ohne Probleme vonstatten. „Der Pokal sollte ja nicht kaputtgehen, deswegen konnte er nicht in den Frachtraum“, berichtet Rohrbach. „Wir haben versucht, ihn auseinanderzuschrauben. Letztlich stand er während des Fluges in einem Eck in der Bordküche.“ Jahrzehntelang blieb der Pokal in einer Kammer am Riederwald versteckt, der alten Eintracht-Heimat – bis er 2007 ins Museum kam.

Im Rückblick war es vielleicht ein Glück, dass die Spieler ihn damals nicht auseinander gebaut haben. Denn die filigran gearbeitete Trophäe besteht aus vielen Einzelteilen und beeindruckt durch einen einzigartigen Stil: Auf dem schweren Sockel liegt hinter Gitterstäben ein Fußball, darüber befinden sich vier Figuren mit wehenden Gewändern, die auf einem Stern stehen. Sie zeigen jeweils dieselbe engelsgleiche Gestalt der Nike, der griechischen Siegesgöttin. Die Flügel der Figuren stützen eine Krone, die Spitze des Pokals bilden eine Fackel und das Wahrzeichen der Stadt: der Leuchtturm von La Coruna. Auf dem Pokal sind darüber hinaus sieben Jakobsmuscheln als Hinweis auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela angeordnet.

Die ganze Trophäe erinnert an eine kirchliche Monstranz. Diese Ähnlichkeit sorgt auch dafür, dass der Pokal immer wieder verliehen werden muss. In den vergangenen Jahren wurde er bei Ausstellungen zum Thema „Fußball und Religion“ in zahlreichen Museen ausgestellt, so im Ikonenmuseum Frankfurt, im Diözesanmuseum Osnabrück, im Kloster Dalheim und im Wiener Dommuseum. Nach den Umbauarbeiten ist er vom 25. November an wieder im Eintracht-Museum zu sehen.

Am Dienstag lesen Sie:

Der zweite Teil der Serie – die Geschichte eines Plastikbechers.

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