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Eintracht-Frankfurt: Eintracht-Serie Teil 1: Zwischen Himmel und Hölle

Von Der erste Teil unserer neuen Eintracht-Serie: Was in dieser dramatischen Saison alles schlecht lief – von der Trainerwahl bis zum U-23-Fehler...
Kein Glücksgriff, ihn zum zweiten Mal an den Main zu holen: Eintracht-Ex-Coach Armin Veh. Foto: Heiko Rhode (Heiko Rhode) Kein Glücksgriff, ihn zum zweiten Mal an den Main zu holen: Eintracht-Ex-Coach Armin Veh.
Frankfurt. 

Was für eine Saison für die Frankfurter Eintracht! Ein Jahr zwischen Himmel und Hölle: Zu Beginn hatte noch große Euphorie geherrscht, am Ende sogar Riesenjubel. Dazwischen aber lagen Pleiten, Pech und Pannen. Der Eintracht drohte der Absturz in die Zweite Liga, es taten sich Gräben auf zwischen dem Club und Teilen ihrer Anhänger. Erst ganz am Ende, als der Leidensdruck für alle unermesslich hoch war, standen wieder alle zusammen. Erst alles schlecht, dann wieder alles gut – beide Einschätzungen haben so nie gestimmt, kratzen höchstens an der Oberfläche. Eine sachliche Analyse dieser emotionalen Saison, dieses Dramas mit Happy End, in vier Teilen. Erster Teil: Was alles schlecht lief.

Die Trainerwahl : Fehler gehören zum Fußball. Zum Spiel auf dem Platz und zur Organisation in den Vereinen. Sogar bei Bayern München werden sie gemacht. Und natürlich auch bei der Frankfurter Eintracht. In dieser Saison waren es ein paar zu viel, was fast in den Abgrund geführt hätte. Nicht immer freilich waren die Probleme vorhersehbar. So bei der Trainerwahl vor der Saison.

Das Klima im vorigen Sommer war nach der sportlich befriedigenden, aber im zwischenmenschlichen Bereich unsäglichen Zeit unter Thomas Schaaf vergiftet. Der umgängliche Armin Veh schien genau der richtige Mann, um den aufgewühlten Club zu befrieden. Das schien Veh in seiner zweiten Amtszeit zunächst auch sehr gut zu gelingen. Die Stimmung hatte sich schlagartig gebessert, die Vorbereitung war gut gelaufen, der Saisonstart auch geglückt. Doch der Trainer hatte die Möglichkeiten seiner Spieler überschätzt.

Überschätzung: Er trainiere den „besten Kader, den ich bei der Eintracht je hatte“, war Veh überzeugt. Was für ein Irrtum – und der Anfang allen Übels! Die Mannschaft war nicht so gut wie erhofft, und der Trainer hat es nicht geschafft, die Mannschaft besser zu machen. Die von ihm bevorzugte Spielweise mit Kurzpass, Ballbesitz und Dominanz konnte das Team nicht umsetzen. Das wurde erst spät erkannt. Veh hat nie eine konstante Formation gefunden, obwohl er ein Trainer ist, der genau darauf setzt. Die Breite des Kaders hat er nicht ausgenutzt, es gab nicht wenige Spieler, die kaum Chancen hatten.

Kommunikationsfehler: Das war sicher ein Manko der Arbeitsweise des ersten Eintracht-Trainers der Saison. Ein weiteres: Veh hat erkannt, dass Europapokalträume unrealistisch waren und es im Grunde nur gegen den Abstieg geht. Intern war es sicher nötig, diese Erkenntnis deutlich zu machen. Sie öffentlich zu verkünden („Es geht nur darum drei Mannschaften hinter uns zu lassen“), war ein großer Fehler. Ausgerechnet den großen Kommunikator Veh hatte das Gefühl verlassen, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu sagen.

Das passierte ihm später noch einmal, als er sich negativ gegenüber den Zuschauern äußerte. Doch da hatte er seinen von Beginn an in der Öffentlichkeit unverständlich geringen Kredit schon längst verbraucht. Wie im Jahr zuvor, nur aus anderen Gründen, hatte sich eine schlechte Stimmung über den gesamten Club gelegt.

Offene Baustellen: Aus der Fehleinschätzung der Qualitäten des Teams und einzelner Spieler – wie beispielsweise des als „Quarterback“, also Spielmacher, vorgesehenen Stefan Reinartz – resultierte auch eine Fehleinschätzung der spielerischen Möglichkeiten. Veh wollte Fußball „spielen“ lassen, er musste aber bald merken, dass das nicht funktioniert. Mitte der Vorrunde ist er dann andere Wege gegangen, hat auf Defensive umgeschaltet. Zu Beginn der Rückrunde hieß es wieder „Kommando zurück“. Nun sollten wieder in erster Linie spielerische Elemente bevorzugt werden. Einiges hat kurzfristig funktioniert, aber nichts dauerhaft.

Veh war gemeinsam mit Sportdirektor Bruno Hübner für die Transfers verantwortlich. Gerade im Winter haben diese beiden nicht die richtigen Spieler geholt. Einen Vorwurf kann niemand entkräften: Die Baustellen, rechts hinten, links vorne, wurde nicht geschlossen. Einen Spieler wie Takashi Inui ohne Ersatz abzugeben, war zudem fahrlässig. Die Einkäufe im Winter haben die Mannschaft nicht wirklich vorangebracht, auch wenn mit Ausnahme von Kaan Ayhan fast jeder am Ende doch etwas zum Klassenerhalt beitragen konnte.

Keine klare Identität: In Vehs erster Amtszeit hatte die Eintracht eine klare Identität. Jung, Schwegler, Rode, Meier, Aigner, Oczipka, Trapp – das waren die Namen, die für den eingeschlagenen Weg mit jungen deutschsprachigen Spielern standen. Dieser Weg wurde mit den Jahren immer weiter verlassen. Was auch den fehlenden wirtschaftlichen Mitteln geschuldet war. Junge deutsche Spieler sind nun mal teurer als ausländische. In dieser Saison hatte die Eintracht keine wirkliche Struktur mehr, deutlicher gesagt: Es machte sich das Gefühl breit, dass da eine „Legionärstruppe“ auf dem Platz stand.

Lange Suche: Das letzte Jahr von Heribert Bruchhagen als Vorstandvorsitzender der Frankfurter Eintracht stand unter keinem guten Stern. Und die gerade erst abgeschlossene Suche nach seinem Nachfolger nahm zwischenzeitlich absurde Züge an. Viel früher hätte der neue Boss feststehen müssen, jetzt beginnt Fredi Bobic schon wieder unter großem Zeitdruck.

Und: Manchmal ist der erste Gedanke der beste. Armin Veh sollte Sportvorstand werden, Alexander Schur als Trainer aufgebaut werden, so war der Plan. Das wäre womöglich auch die bessere Lösung gewesen.

Mangelnde Einstellung: Als Alibis für die Spieler dürfen die Fehler auf der Vorstandsebene aber nicht gelten. Dass es vielen Profis über weite Strecken an Einstellung gefehlt hat, wurde nach dem Trainerwechsel deutlich. Plötzlich rannten alle mehr und weiter und schneller. Das war bei Veh natürlich nicht verboten, wurde nun aber von Kovac energischer eingefordert. Dass es dem einen oder anderen an der nötigen Professionalität gefehlt hat, war offensichtlich.

Verletzungsfragen: Auch die unsägliche Verletzungsserie hat zum sportlichen Niedergang beigetragen. Wichtige Spieler wie Meier, Reinartz, Russ und Zambrano sind über Wochen und Monate ausgefallen, auch Ignjovski, Medojevic, Flum, Kittel, Castaignos und am Ende Russ und Stendera waren verletzt oder krank. Das war in der Summe zu viel für diesen Kader. Die „Comebacker“ haben dann häufig auch keinen Rhythmus gefunden. Sind die vielen Ausfälle Folge von zu hartem oder zu laschem Training? Liegt es an der Trainingssteuerung? Liegt es an der mangelnden Professionalität der Spieler? Leben zu viele zu wenig für ihren Sport? War es vielleicht auch Zufall? Fragen, die beantwortet werden müssen, die aber schwer zu beantworten sein werden. In jedem Fall ist auch in diesem Bereich zu viel schiefgegangen.

Der U-23-Fehler: Auch die überstürzte Abmeldung der U 23 im Sommer 2014 hat sich längst als fataler Fehler herausgestellt. Nur Bayer Leverkusen ist den gleichen Weg gegangen, verfolgt aber eine komplett andere Philosophie, setzt auf Leihspieler. Die Eintracht hat vielen Talenten die Perspektive genommen und einigen jungen Profis die Chance zur Spielpraxis. Das finanzielle Argument für die Abmeldung wurde ebenfalls ad absurdum geführt. Die Einsparnis von rund 700 000 Euro sollte in die U 19 fließen und dort die Bedingungen verbessern. Ergebnis: Die A-Jugend musste zuletzt zweimal bis zum Schluss um den Klassenerhalt zittern, die besten Spieler werden immer noch von besser betuchten Clubs weggeholt. Hinter vorgehaltener Hand räumen viele Verantwortliche den Fehler längst ein, doch den Mut zu Korrektur hat bislang noch keiner aufgebracht.

Es ist also vieles schiefgelaufen bei Eintracht Frankfurt. Am Ende aber gab es auch positive Entwicklungen. Die beleuchten wir am Montag im zweiten Teil unserer Serie.

 

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