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Eintracht Frankfurt: Marco Pezzaiuoli: Arbeit an der Schnittstelle

Von Lauter Stars und Sternchen auf einen Schlag erwartet Sportvorstand Fredi Bobic nun nicht. Mit dem neuen Technischen Direktor Marco Pezzaiuoli hofft er aber, dass die Verzahnung zwischen Profis und Nachwuchs noch enger wird – zum Beispiel durch eine Art Reserverunde.
Gemeinsam wollen sie den Talenten der Frankfurter Eintracht den Weg ins Profi-Geschäft weisen: Marco Pezzaiuoli, der neue Technische Direktor, (links) und Trainer Niko Kovac. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Gemeinsam wollen sie den Talenten der Frankfurter Eintracht den Weg ins Profi-Geschäft weisen: Marco Pezzaiuoli, der neue Technische Direktor, (links) und Trainer Niko Kovac.
Campoamor. 

Ganz genau hinschauen, Eindrücke sammeln. Seine ersten Tage bei der Frankfurter Eintracht verbringt Marco Pezzaiouli vor allem in der Beobachterrolle, und der Arbeitsplatz könnte unangenehmer sein als die Fußballplätze des Hotels Golf Campoamor. „Die Sonne tut gut“, freut sich der neue Technische Direktor über das milde spanische Klima im Wintercamp an der Costa Blanca. Vor allem aber nutzt er seine erste Dienstreise mit dem Fußball-Bundesligisten, um die Trainer und ihre Vorstellungen kennenzulernen, und die Spieler, vor allem die Jungen, denn um die geht es in seinem neuen Job. „Wir wollen so viele Jugendspieler wie möglich in den Profibereich überführen“, nennt Pezzaiouli als wichtigstes Ziel. Fredi Bobic sieht ihn als Arbeiter an einer ganz wichtigen Schnittstelle: „Die Verzahnung zwischen Profis und Jugend soll immer enger werden soll“, meint er und erhofft sich genau das mit der Hilfe seiner neuer Fachkraft.

Heikle Karrierephase

„Wir werden jetzt nicht sofort lauter Stars und Sternchen haben. Wir müssen das aber mehr in Gang bringen“, weiß Sportvorstand Bobic. Das braucht Zeit, die bekommt auch Pezzaiuoli zugestanden. „Er muss erst einmal ein bisschen eintauchen in die Welt der Eintracht. Die war in der Vergangenheit ja nicht so einfach gestrickt“, sagt Bobic. Immer mehr Bundesligisten schauen auf diese besonders heikle Karrierephase. Beim Hamburger SV arbeitet der als erfolgreicher Hockey-Bundestrainer, DFB-Berater und Hoffenheimer Sportdirektor renommierte Bernhard Peters schon länger in einer vergleichbaren Position, in Bremen gedenkt man einen solchen Posten mit der auch in Frankfurt ja nicht ganz unbekannten Werder-Ikone Thomas Schaaf zu besetzen, in Gladbach fungiert der ehemalige Bundesligaprofi Otto Addo als eine Art Übergangstrainer für Jungprofis, die den Anschluss noch nicht ganz geschafft haben. „Wir müssen uns bei dem Thema Jugend professioneller aufstellen, sonst überholen uns die anderen total“, fordert Bobic und ist glücklich, Pezzaiuoli dafür gefunden zu haben.

„Top-Experte“

Dass ihn die Eintracht verpflichtet hat, wird „für richtig Aufsehen in der Branche sorgen“, glaubt Bobic: „Ich brauche da jemanden, dem ich genauso vertrauen kann wie Armin Kraaz.“ Auch Kraaz, Leiter des Frankfurter Nachwuchsleistungszentrums, freut sich auf die Zusammenarbeit mit einem „Top-Experten“. Pezzaiuoli hat Erfahrung im Nachwuchs und bei den Profis vorzuweisen, in Deutschland und aller Welt. Als Co-Trainer der einstigen Frankfurter Sturmlegende Bum-Kun Cha wurde er 2003 Meister in Südkorea, übernahm dann verschiedene deutsche Nachwuchs-Nationalmannschaften, in denen er unter anderem heutige Stars wie Mario Götze oder Marc-André ter Stegen „begleiten durfte“, wie er selbst sagt. und das bevor der gebürtige Mannheimer beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim anheuerte – zuerst als Assistent von Ralf Rangnick, ehe er als dessen Nachfolger zum Cheftrainer befördert wurde, allerdings nur für die nicht besonders erfolgreiche Rückrunde 2010/2011. Danach legte Pezzaiuoli erst einmal eine Kinderpause ein, kümmerte sich nach der Scheidung von seiner Frau um den eigenen Nachwuchs, fand eine neue Lebensgefährtin, bekam noch ein Kind. 2014 schließlich zog es ihn für einen kurzen Abstecher nach Japan, dann weiter nach China, als Nachwuchschef des Spitzenclubs Guangzhou Evergrande, nebenbei ist so ein großes, weltweites Netzwerk entstanden.

Sein Vertrag in China lief nun am 31. Dezember aus. „Fredi Bobic hat gesagt: Ich warte so lange auf dich“, berichtete der 49-jährige Deutsch-Italiener gestern. Kennengelernt hat man sich vor zwei Jahren bei einem Hallenturnier, im Mai kam dann die Anfrage von Bobic. „Die Gespräche mit ihm haben mich überzeugt“, sagt Pezzaiuoli. „Die Eintracht ist in Aufbruchstimmung, da will ich dabei sein.“

Im Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald sei er früher als DFB-Trainer schon oft gewesen. Der Kontakt mit Kraaz wird nun noch enger werden, ebenso wie mit Alexander Schur, dem Trainer der U19. „Ich muss ihm vermitteln, was bei den Profis verlangt wird, was die Cheftrainer haben wollen, wie die Jungen bei den Profis trainieren, welche Defizite sie haben“, erklärt Pezzaiuoli einen Teil seiner Aufgabe. Insgesamt nennt er seinen Job „eine große Detailarbeit“. Angefangen eben beim Wissenstransport von den Profis zum Nachwuchs.

Ob nun 3-5-2, 4-2-3-1: Wichtiger als bestimmte Spielsysteme, die im modernen Fußball ohnehin einer immer größeren Flexibilität untergeordnet werden, ist ihm das Vermitteln von Prinzipien. „Wollen wir pressen oder lassen wir uns fallen? Kommen wir über Ballbesitz, presse ich mit Zwei-Meter-Distanz oder suche ich den Kontakt? Da ist die Frage, was der Cheftrainer will und was wir im Nachwuchsbereich umsetzen wollen“, sagt Pezzaiuoli.

Dazu kommt die Trainingssteuerung für die Jungprofis, die zwischen dem Training bei den Profis und Einsätzen in der U19 pendeln und dabei das richtige Maß an Belastung brauchen. Die gezielte Arbeit an Schwächen, die sich vielleicht beim Sprung in die erste Klasse offenbaren, auch spezifisch für die jeweilige Position, ob Abwehr oder Angriff, auf dem Platz und in Videoanalysen. „Es geht um Fitness, Technik und Taktik, aber auch um die Psyche. Es ist etwas ganz anderes, vor 400, 500 Zuschauern zu spielen als vor 40 000, 50 000“, zählt Pezzaiuoli weiter auf. „Und wie gehe ich damit um, nur auf der Bank oder der Tribüne zu sitzen?“

Viel Pendelei

Gerade das ist eine wichtige Frage, vor allem seit der Abschaffung der Frankfurter U23 vor dreieinhalb Jahren. „Ich bin eher ein Befürworter der U23, aber da muss man die jeweiligen Vereinsstrukturen sehen. Das muss ich in der täglichen Arbeit beobachten, ob die jungen Spieler genug Spielpraxis bekommen“, sagt Pezzaiuoli. Eine Art Reserverunde ist schon länger im Gespräch, er meint dazu: „Frankfurt liegt zentral genug, um genug Gegner zu finden. Auch andere Bundesligisten haben große Kader.“

Dass bei der Eintracht der Nachwuchs in der Heimat des Vereins am Riederwald trainiert und die Profis unter dem Dach der Fußball-AG am anderen Ende der Stadt, macht die Arbeit erst einmal nicht leichter. „Ich werde pendeln müssen“, weiß Pezzaiuoli und erwartet lange Tage und volle Wochen. „Aber das bin ich gewohnt.“

Und zwischendrin soll es irgendwann auch mal zur Familie nach Heidelberg gehen. In nicht allzu ferner Zukunft könnten die Fahrten quer durch die Stadt entfallen. Wenn die bald anstehenden Bauarbeiten für eine neue Clubzentrale am Stadion in rund zwei Jahren beendet sein sollten, könnten auch die U 19 und die U 17 dort untergebracht werden. Fredi Bobic freut sich schon darauf: „Das wird eine Heimat für den ganzen Verein. Ich denke nicht in e. V.- und AG-Strukturen. Es wird Zeit, dass wir mehr zusammenkommen, wir sind eine Eintracht-Familie.“ Marco Pezzaiuoli gehört nun auch dazu.

 

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