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Gladbach verschärft Bayern-Krise - Kovac unter Druck

Die Bayern sind am vorläufigen Tiefpunkt angelangt. Nach dem 0:3 gegen Gladbach ist der Serienmeister sogar nur noch Fünfter. Trainer Kovac bringt das vierte sieglose Pflichtspiel am Stück in Bedrängnis.
Die Spieler von Borussia Mönchengladbach jubeln über Stindls Treffer zum 2:0 gegen den FC Bayern München. Foto: Matthias Balk Die Spieler von Borussia Mönchengladbach jubeln über Stindls Treffer zum 2:0 gegen den FC Bayern München.
München. 

Niko Kovac verschwand nach dem Abpfiff direkt im Spielertunnel. Das heftige 0:3 (0:2) seiner total verunsicherten Bayern-Elf im Bundesliga-Klassiker gegen Borussia Mönchengladbach bringt den 46 Jahre alten Trainer bereits vor Ablauf der ersten 100 Tage im Amt in arge Bedrängnis.

„Ich kenne die Mechanismen im Fußball und in der Bundesliga. Ich weiß, dass die Zeit bei Bayern München anders läuft”, sagte Kovac wenig später in der Pressekonferenz.

Die Frage, ob die Bayern-Bosse nervös werden könnten und ob er sich Sorgen mache, dass auch sein Job in Gefahr geraten könnte, könne er nicht beantworten. Kovac verwies lieber auf die Siegesserie zu Beginn der Saison. „Wir haben gezeigt, dass wir es besser können. Das werden wir auch wieder tun. Und ich werde meinen Teil dazu beitragen.”

Nach dem vierten sieglosen Spiel ist der Serienmeister jedoch in die Herbst-Krise gestürzt. Der Oktoberfestbesuch am Sonntag sollte eigentlich ein gemütlicher Bayern-Familientag werden. „Das ist nicht Bayern, und das ist auch zu wenig”, sagte Torwart Manuel Neuer im TV-Sender Sky. „Für uns war es ein toller Abend”, erklärte dagegen ein „sehr zufriedener” Borussen-Coach Dieter Hecking.

Die von Rückkehrer Lars Stindl angeführte Borussia nutzte die allgemeine Münchner Verunsicherung konsequent aus. Torjäger Alassane Plea mit seinem schon fünften Saisontreffer (10. Minute) und Kapitän Stindl (16.) bei seinem bemerkenswerten Liga-Comeback nach einer schweren Fußverletzung entschieden die Partie frühzeitig mit einem Doppelschlag. Kurz vor Schluss sorgte der eingewechselte Patrick Herrmann (88.) für noch schlechtere Stimmung unter den Bayern-Fans.

„Ich bin froh, dass ich auch meinen Teil dazu beitragen konnte. Es ist eine schöne Momentaufnahme vor der Länderspielpause”, sagte Stindl. Die Münchner begünstigten die ersten beiden Gegentore mit schlimmen individuellen Fehlern von Niklas Süle beziehungsweise Thiago. Nach langer Zeit pfiffen die Bayern-Fans in der mit 75.000 Zuschauern ausverkauften Arena ihre Lieblinge mal wieder aus. „Ich bin nicht ratlos, weil ich weiß, warum es passiert ist”, äußerte Kovac. Er monierte Fehler bei allen Gegentoren und die Arbeit als Einheit auf dem Platz. Sein Team kämpfte, spielte aber nicht gut. „Die Niederlage tut weh - aber sie ist real”, stöhnte Kovac.

Die Bayern begannen entschlossen, der Ball lief gut. Aber der Anfangselan verpuffte. Die Gladbacher pressten viel, mit Stindl als hängender Spitze im Zentrum hatte Hecking einen guten Einfall. Das 0:1 ging mit einem unnötig verlorenen Zweikampf von Süle in Höhe der Mittellinie gegen Stindl los. Nach Doppelpass mit Jonas Hofmann platzierte Plea den Ball bei seinem Schuss wunderbar im langen Eck.

Bevor sich die Bayern von dem Schreckmoment erholt hatten, stand es 0:2. Thiago nahm einen Abstoß von Manuel Neuer zu lässig an. Stindl bestrafte den Ballverlust mit einem ebenfalls feinen Flachschuss. Ein weiterer Distanzschuss des guten Plea rauschte am Tor vorbei (23.).

Die Bayern versuchten zu reagieren. Arjen Robben versprang der Ball im Strafraum (32.). Robert Lewandowski zielte aus der Drehung genau auf Torwart Yann Sommer (35.). Kovac reagierte zur Pause, nahm die wirkungslosen Robben und Thomas Müller raus. Er brachte Franck Ribéry und Serge Gnabry als Flügelzange. Nach einer Verletzung von David Alaba musste er weiter umbauen: Joshua Kimmich musste auf die linke Abwehrseite wechseln, Leon Goretzka übernahm für ihn rechts hinten.

Bayern hatte den Ball, aber damit kaum Ideen. James versuchte es mit einem Seitfallzieher (63.). Lewandowski flog an einer Flanke vorbei (65.). Ins Bild passte, dass Lewandowski bei seinem Tor im Abseits stand (67.). Herrmann besiegelte die heftige Münchner Heimpleite.

(Von Klaus Bergmann und Christian Kunz, dpa)
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