Hilfe für die Heimkehrer

Von STEPHANIE KREUZER Zur Feier des 70. Geburtstages des AWO-Ortsvereins Kronberg-Königstein wurde an die Leistungen der Organisation in der schwierigen Nachkriegszeit erinnert. Ehrung für langjährige Mitglieder der AWO.Unser Bild zeigt von links: Hildegard Klär, Katrin Hechler, Katharina Mauch, Barbara Schwarz, Eberhard Bethke, Helga Michaelis und Dr. Ilja-Kristin Seewald. Ehrung für langjährige Mitglieder der AWO.Unser Bild zeigt von links: Hildegard Klär, Katrin Hechler, Katharina Mauch, Barbara Schwarz, Eberhard Bethke, Helga Michaelis und Dr. Ilja-Kristin Seewald.
Kronberg. 

Wer auf Hilfe angewiesen ist, wird häufig übersehen – ebenso wie diejenigen, die helfen. So formulierte es Willy Brandt vor 50 Jahren, um sich bei den Mitgliedern der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zu bedanken. An diese Worte erinnerte die Vorsitzende des AWO-Kreisverbandes, Hildegard Klär, in der Feierstunde zum 70-jährigen Bestehen des Ortsvereins Kronberg-Königstein.

Rund 40 Gäste waren der Einladung gefolgt, und sie durften sich auf eine kleine Zeitreise von der Gründung der AWO bis zu den heutigen Aktivitäten der Organisation begeben. „Denn auch, wenn es vielen Menschen heute gut geht, gibt es im Taunus weiterhin genug zu tun, um den Schwächeren in unserer Gesellschaft zu helfen“, sagte Katharina Mauch, Vorsitzende der AWO Kronberg-Königstein, und ergänzte stolz: „Auf meine Mitstreiter kann ich mich, wenn es drauf ankommt, immer verlassen.“

Immerhin musste sich die AWO in knapp hundert Jahren ihres Bestehens keinen neuen Namen geben, wie Katrin Hechler (SPD), stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes und Beigeordnete des Hochtaunuskreises, betonte. Dass diese lange Zeit allerdings auch keine leichte war, wurde in Klärs Rede zur Geschichte der AWO als sozialdemokratischer Wohlfahrtsbewegung deutlich.

Die zunehmende Massenverelendung nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland forderte die praktische Solidarität vieler Helfer geradezu heraus. So rief die Sozialdemokratin Marie Juchacz am 13. Dezember 1919 den „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD“ ins Leben, und der erste deutsche Reichspräsident, Friedrich Ebert, gab dem jungen Verband das Motto „Arbeiterwohlfahrt ist die Selbsthilfe der Arbeiterschaft“ mit auf den Weg.

In den Notzeiten der 1920er Jahre entstanden Nähstuben, Mittagstische, Werkstätten für Behinderte und Erwerbslose, Beratungsstellen, Lebensmittel- und Kleidersammlungen sowie Altenbetreuung und Kindererholung. Über 20 Millionen Menschen in Deutschland waren in dieser Zeit auf Hilfen der Wohlfahrtspflege angewiesen. Die AWO wurde zur Helferorganisation für alle sozial bedürftigen Menschen, unabhängig von Herkunft und Konfession.

War die AWO während des Nazi-Regimes verboten und zwangsweise aufgelöst worden, startete sie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als parteipolitisch und konfessionell unabhängige und selbstständige Organisation. AWO-Helfer kümmerten sich um Evakuierte und Flüchtlinge, Heimkehrer, Alte und Einsame sowie um junge Menschen, die Heimat und Eltern verloren hatten.

Auch im Hochtaunus wurde die AWO zu neuem Leben erweckt: 26 Männer und Frauen – SPD-Mitglieder – aus Oberhöchstadt und Kronberg gründeten am 1. Januar 1946 den Ortsverein der AWO. In Königstein entstand neben einer Suppenküche auch eine Nähstube, im Haus Waldfriede in Kronberg gab es eine AWO-Einrichtung für die Erholung von Werktätigen. Die Arbeit in den ersten Jahren des Wiederaufbaus war vor allem durch die Linderung der akuten auch finanziellen Not geprägt.

Bis zur Währungsreform konnten materielle Hilfen ausschließlich über ausländische Spenden abgedeckt werden. Heute ist die AWO weit mehr als früher Trägerin sozialer Aufgaben und Dienstleistungen. Dazu gehören die stationäre und ambulante Altenhilfe, die Suchtberatung und sozialpsychologische Betreuung.

Schulsozialarbeit fehlt

Klär bedauerte, dass es für die AWO Hochtaunus keine sozialen Einrichtungen in eigener Trägerschaft gebe. „Es wäre schön, wenn wir eine so wichtige Aufgabe wie Schulsozialarbeit anbieten könnten, damit in mehr Schulen hier im Kreis unbürokratische Hilfe für Schüler vorhanden wären“, sagte sie. In Kronberg bietet die AWO auch aus Mitteln ihrer kleinen Stiftung vor allem Seniorenbetreuung und Ausflugsfahrten an und unterstützt Einrichtungen wie Kindergärten und Seniorenheimen sowie die Tafel in Königstein.

Geehrt wurden an diesem Nachmittag Eberhardt Bethke (10 Jahre Mitgliedschaft), Barbara Schwarz (15 Jahre) und Helga Michaelis, die bereits seit 25 Jahren mit dabei ist.

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22.11.2016
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